Sechs deutsche Organisationen aus Land-, Garten- und Forstwirtschaft, Viehzucht und Lebensmittelindustrie haben SPD, Grüne und FDP um politische Unterstützung für die Empfehlungen der Landwirtschaft-Zukunftskommission (ZKL) gebeten. Die Umsetzung und Finanzierung der Pläne der Kommission-Borchert sollte die erste große Aufgabe der voraussichtlichen deutschen rot-gelb-grünen ‚Ampelkoalition‘ sein.
Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören unter anderem die Vorsitzenden des Deutschen Bauernverbands (DBV), des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV), der Familienbetriebe Land und Forst, des Lebensmittelverbands Deutschland, der Vereinigung der Landwirtschaftskammern und des Zentralverbands Gartenbau (ZVG).
Ein breit zusammengesetztes Expertengremium unter Leitung des ehemaligen Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft Borchert (CDU) legte Anfang dieses Jahres Vorschläge vor, um die deutschen Agrarbranchen grundlegend zu modernisieren. Dabei wurden auch die meisten Forderungen im Bereich Tierschutz, Umwelt (Düngemittel!) und Klima (Stickstoff!) sowie die europäische Green Deal-Politik berücksichtigt.
Gemeinsam machen die Unterzeichner deutlich, wo der politische Rahmen gesetzt werden muss, um die große Bedeutung der Landwirtschafts-, Lebensmittel- und Forstwirtschaftsbranche in Deutschland zu erhalten. Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau und Fischerei sicherten das Einkommen von mehr als 930.000 Deutschen. 4,7 Millionen Menschen arbeiten in 700.000 Betrieben der Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie, und etwa 1 Million Menschen sind in der Forst- und Holzwirtschaft beschäftigt.
Die milliardenschweren Investitionen, die für die deutsche agrarische Transformation notwendig sind, dürften nicht nur eine Verantwortung der Kette aus Bauern, Lebensmittelindustrie, Händlern und Kunden sein, sondern der gesamten Gesellschaft. So würden ein Teil der Mehrkosten über den Preis verrechnet, aber auch über Subventionen und Prämien aus Steuergeldern vom Staat ausgeglichen.
Die Finanzierung aus der Staatskasse wird beschrieben als ‚Wirtschaft, Ökologie und gesellschaftliche Fragestellungen müssen bei der Weiterentwicklung von Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe berücksichtigt werden‘.
Gleichzeitig warnen die sechs Organisationen vor allzu einschneidenden Verboten, Verpflichtungen und auferlegten Beschränkungen für die deutschen Landwirte. In den EU-Plänen und im Wahlprogramm der deutschen Grünen ist ein Verbot des Einsatzes chemischer Pflanzenschutzmittel, weniger Stickstoffausstoß und die Ausweitung des Biolandbaus vorgesehen.
Laut den deutschen Landwirtschafts- und Lebensmittelverbänden ist mehr von neuer Technologie als von erzwungener Einschränkung zu erwarten. So müsse zunächst eine Risiko-Nutzen-Analyse für Formen der nachhaltigen Landwirtschaft erstellt werden. Innovationen mit Satelliten, Präzisionslandwirtschaft mit Sensoren und die Entwicklung neuer Pflanzenschutzmittel sollen Vorrang vor allgemeinen Reduktionszielen erhalten.

