Dadurch müssen Molkereibetriebe künftig im Vorfeld Verträge mit Milchbauern über Mindestabnahmen und einen festen Preis pro Liter abschließen. Bisher müssen oft kleine Milchbauern abwarten, was sie nachträglich erhalten.
Bisher ist die Anwendung der Marktverordnung freiwillig. Deutschland und andere landwirtschaftlich orientierte Länder haben Brüssel gebeten, dies flächendeckend einzuführen, obwohl Länder mit einer kleineren Milchviehhaltung, wie Österreich, dagegen sind. Diese möchten zunächst eine ausführliche Folgenabschätzung durchführen lassen. Landwirtschaftskommissar Christophe Hansen sagte, er halte eine solche Untersuchung für zu zeitaufwendig.
Die Europäische Kommission möchte nun die Seite der Milchbauern stärken, indem sie mit verbindlichen Verträgen deren Position in der Handelskette verbessert. Hansen will die Verhandlungsposition der Milchbauern verbessern und sie vor Preisschwankungen schützen.
Österreich und einige andere EU-Länder befürchten eine Zunahme der bürokratischen Belastungen sowohl für Bauern als auch für Molkereibetriebe. Diese Länder plädieren für eine gründliche Bewertung der möglichen Folgen einer verbindlichen Vertragsregelung. Kommissar Hansen sagte, die Europäische Kommission werde im Frühjahr mit Vorschlägen kommen, um eben diesen bürokratischen Aufwand zu verringern.
Die Diskussion über verbindliche Milchverträge ist Teil einer breiteren Debatte über das Funktionieren der Gemeinsamen Marktordnung (GMO) und die Bekämpfung unfairer Handelspraktiken innerhalb der EU. Verschiedene weitere EU-Länder, darunter Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland, haben im Agrarrat für eine bessere Marktposition der Weinproduzenten plädiert.
Die kommenden Monate werden nicht nur für die Molkereibranche entscheidend sein, sondern nicht nur für den Agrarsektor, sondern für das Marktgeschehen im gesamten Mittelstand und Kleinunternehmen. Landwirtschaftskommissar Hansen wird in zwei Wochen nicht nur seine ersten Umrisse für eine neue Gemeinsame Agrarpolitik vorlegen, sondern die Europäische Kommission hat auch eine neue Wettbewerbsstrategie für die gesamte Wirtschaft angekündigt.
Über die neue Gemeinsame Agrarpolitik (nach 2027) ist bereits bekannt, dass Brüssel von der festen Subvention pro Hektar weg will, diese jedoch vom jährlichen Einkommen der Bauern abhängig machen möchte. Außerdem will die EU die Subventionen von großen Agrarkonzernen hin zu kleineren Bauern verlagern. Zudem wird erwartet, dass es eine neue (zusätzliche) Subvention geben wird, wenn Bauern ihre Produktionsmethoden an Umwelt- und Klimavorgaben anpassen müssen.

