Der neue Plan soll es Unternehmen und Investoren erleichtern, Geld in Projekte zu stecken, die zum Naturschutz beitragen, wie die Wiederherstellung von Moorgebieten, Wäldern oder Küstenregionen.
Umweltkommissarin Jessika Roswal betont, dass solche Investitionen nicht nur gut für die Umwelt sind, sondern auch wirtschaftlich rentieren können. Sie erklärt, dass der Wert des Naturschutzes derzeit nicht ausreichend genutzt werde.
Mit der Initiative schließt sich Brüssel früheren Vorhaben an, auch für andere Umweltziele private Gelder einzusetzen. So wurde bereits länger mit der Privatwirtschaft zusammengearbeitet, um die Luftqualität zu verbessern, die Wasserverschmutzung zu verringern und nachhaltige Landwirtschaftspraktiken zu fördern. Brüssel will mit diesem neuen Vorschlag die gleiche Logik auf die Biodiversität anwenden.
Im Mittelpunkt des Plans stehen sogenannte „Naturkredite“, eine Art handelbarer Anteile, die die Auswirkung eines Projekts auf die Natur messbar machen sollen. Solche Projekte erhalten dann eine Art EU-Zulassungssiegel. Es ist vorgesehen, dass neben bestehenden öffentlichen Fördermitteln ein freiwilliger Markt für diese Kredite entsteht.
Umweltorganisationen reagieren zwiespältig. Sie sehen Chancen, Naturschutzprojekte durch zusätzliche Investitionen zu fördern, warnen jedoch davor, private Gelder als Ersatz für öffentliche Haushalte zu sehen. Brüssel müsse ihrer Meinung nach selbst ausreichend in die Naturschutzpolitik investieren. Ohne eine starke öffentliche Beteiligung drohe der Vorschlag – so ihre Einschätzung – zu einer Scheinlösung zu werden, die bestehende Defizite kaschiert.
Ein weiteres Sorge ist, dass die Pläne zu „Greenwashing“ führen könnten, bei dem Investoren mit relativ kleinen Beiträgen dennoch ein grünes Image erwerben. Wenn Unternehmen über Naturkredite Umwelterfolge beanspruchen können, ohne ihre eigenen schädlichen Aktivitäten einzuschränken, bestehe die Gefahr, dass strukturelle Maßnahmen verdrängt werden.
Die Europäische Kommission erkennt dieses Risiko an und verspricht ein robustes Rahmenwerk für Transparenz und Kontrolle. Die Kommission wolle – eigene Aussagen zufolge – verhindern, dass das neue System Missbrauch oder unberechtigte Ansprüche auf ökologische Erfolge ermögliche.
Der Plan ist Teil umfassenderer Anstrengungen der EU, das Naturschutzgesetz umzusetzen und die Ziele des europäischen Grünen Deals zu erreichen. Laut Kommission werden jährlich mehrere zehn Milliarden Euro zusätzlich für den Naturschutz benötigt, und private Finanzierung könne dabei eine Schlüsselrolle spielen.

