Europäischer Landwirtschaftskommissar Wojciechowski wird noch in diesem Monat Vorschläge für eine europäische Düngemittelstrategie vorlegen. Bei einer Debatte in Straßburg gab er am Donnerstag noch keine Details bekannt, sagte jedoch, dass sein Vorschlag „sowohl die interne EU- als auch die internationale Dimension betrifft und auch Aspekte der Ernährungssicherheit und Umwelt abdecken wird“.
Der niederländische Europaabgeordnete Jan Huitema (VVD, Renew Europe) erinnerte Wojciechowski an frühere Zusagen bezüglich der Zulassung neuer, nicht-chemischer Landwirtschaftsmittel. „Es ist höchste Zeit, dass die Europäische Kommission Alternativen zu Düngemitteln prüft, um die Landwirtschaft zirkulär zu gestalten.“
Er wies darauf hin, dass Düngemittel für die Lebensmittelproduktion unerlässlich sind. Gleichzeitig sind sie einer der größten CO2-Verursacher. Der Schlüssel liege laut Huitema im Düngemittelkreislauf, bei dem tierischer Dung in getrockneter Form als Wachstumsförderer genutzt wird.
Auch der flämische Europaabgeordnete Tom Vandenkendelaere (CD&V) verwies auf die frühere Forderung von 19 EU-Politikern, die eine Lockerung der EU-Regeln verlangten, damit „menure in nature“ möglich wird. Kommissar Wojciechowski gab keine Zusagen, betonte aber, „dass der Einsatz von tierischem Dung eine wichtige Rolle spielen wird“.
Ob die Europäische Kommission dem früheren französisch-spanischen Aufruf für eine eigene europäische Düngemittelindustrie folgt, um nicht länger von russischen Importen abhängig zu sein, ist noch unklar. Wojciechowski sagte jedoch, „dass die europäische Industrie weniger von außen abhängig gemacht werden kann, aber auch die Landwirte weniger von Düngemitteln abhängig sein können.“
Aufgrund der westlichen Sanktionen gegen den russischen Krieg in der Ukraine (Gas- und Ölembargo) waren viele Düngemittelindustrien gezwungen, ihre gasbetriebene Produktion einzustellen. Dies wird bald auch Auswirkungen auf die Endpreise von Lebensmitteln haben. Die norwegische Düngemittelfabrik Yara rief die Europäische Union gestern ebenfalls dazu auf, schnell die Initiative zu ergreifen.
Wojciechowski warnte, dass eine sichere Lebensmittelversorgung in Europa nicht auf dem Import der notwendigen mineralischen Düngemittel basieren kann. Vor allem ist die große Abhängigkeit von mineralischen Düngemitteln aus Russland und Weißrussland ein Dorn im Auge der Europäischen Kommission.

