Die Europäische Union will die Einfuhr von russischem Gas noch in diesem Jahr um zwei Drittel reduzieren und innerhalb weniger Jahre keine Importe mehr benötigen. Deshalb fordert die Europäische Kommission die Landwirtschaft in den EU-Ländern auf, die Biogasproduktion so schnell wie möglich mindestens zu verdoppeln.
Energiekommissarin Kadri Simson und Klimakommissar Frans Timmermans stellten am Dienstag im Europäischen Parlament ein „Energiepaket“ vor. Um das russische Gas nicht länger zu benötigen, müssen die EU-Bürger und Unternehmen viel sparsamer und bewusster mit ihrer Energie umgehen. Auch Wohnungen und Gebäude müssen beschleunigt energieeffizient gemacht werden.
Nicht nur Unternehmen oder gasbetriebene Elektrizitätswerke beziehen Gas von Putins Gazprom, sondern auch viele Haushalte heizen mit Gasthermen und Zentralheizungen. Der EU-Beschluss, russisches Gas zu verbannen, wird daher in allen EU-Ländern auch spürbar sein.
Niederlande sind „nur“ zu etwa 15 Prozent von russischem Gas abhängig, während andere EU-Länder zu drei Vierteln oder sogar noch mehr. Deshalb ist ein vollständiges Embargo gegen russisches Öl und Gas nicht möglich. Die Überlegung ist vielmehr, nicht länger vollständig davon abhängig zu sein.
Die Europäische Kommission sieht mehrere Vorteile in mehr Biogas. Bei der Produktion und Lagerung wird weniger Methan ausgestoßen. Zudem reduziert Biogas die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und kann zur „Vergrünung“ der Landwirtschaft beitragen, so die Kommission.
Biogasanlagen sind außerdem eine strategische Brennstoffreserve, da das Gas saisonal gelagert und flexibel verfügbar gemacht werden kann, wenn es benötigt wird. Auch die Industrie als großer Abnehmer benötigt schnell alternative Lösungen.
Die Europäische Kommission will, dass innerhalb weniger Jahre weitere 35 Milliarden Kubikmeter Biogas produziert werden. Das entspricht etwa einer Verdopplung gegenüber 2015. Die Biogasproduktion in den Niederlanden lag im vergangenen Jahr bei 221 Millionen Kubikmetern. Biogas kann den Landwirten ein neues Einkommen bringen, so heißt es.
Die europäische Biogasorganisation EBA erklärt, dass Biogasproduktion gut in den Kreislauflandbau passe. Laut EBA können Methanemissionen aus der Landwirtschaft vermieden werden, wenn Gülle zur Methanproduktion genutzt wird.
Das „zusätzliche Produzieren von Biogas“ ist bereits eines der Kriterien, die Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski in seine Bewertungen der nationalen strategischen Pläne (nsp’s) der 27 EU-Länder aufgenommen hat. Unbestätigten Berichten zufolge wird Wojciechowski in zwei Wochen mit einem „agrarischen Aktionsplan“ als Reaktion auf die Folgen des russischen Kriegs gegen die Ukraine kommen.

