Die Europäische Kommission will die Regeln für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln über das sogenannte Food & Feed Safety Omnibus-Paket vereinfachen. Laut der Kommission sollen die Verfahren dadurch schneller und einfacher werden.
Wissenschaftler von 27 europäischen Forschungsinstituten äußern daran große Zweifel. Sie stellen fest, dass die vorgeschlagenen Änderungen wichtige Sicherheitskontrollen abschwächen und die Risiken für die Gesundheit der Menschen sowie für die Umwelt erhöhen.
Bürde des Nachweises
Nach Angaben der Forscher drohen regelmäßige Neubewertungen von Wirkstoffen weitgehend zu entfallen. Auch würde sich die Beweislast verschieben, sodass nationale Behörden häufiger selbst nachweisen müssten, dass ein Stoff schädlich ist.
Promotion
Die Wissenschaftler plädieren stattdessen für mehr Transparenz bei den Studien, auf denen Zulassungen basieren, eine bessere Überwachung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und zusätzliche Mittel, um Rückstände bei der Bewertung von Stoffen abzubauen.
Noch lockerer
Auch über die Verhandlungen in Brüssel wächst die Unruhe. Ein geleakter Entwurf von zwei Berichterstattern des Landwirtschaftsausschusses des Europäischen Parlaments enthält laut Kritikern noch weitergehende Lockerungen als der Vorschlag der Europäischen Kommission. Dadurch könnten schädliche Stoffe einfacher zugelassen und länger auf dem Markt bleiben.
Gesundheits- und Umweltorganisationen befürchten, dass wissenschaftliche Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Pflanzenschutzmitteln und unter anderem Krebs, Hormonstörungen, Entwicklungsstörungen sowie Schäden an der Fortpflanzung unzureichend berücksichtigt werden. Sie warnen, dass insbesondere Kinder besonders anfällig für die Belastung mit diesen Stoffen sind.
Im Kaffee
Die Debatte wird durch eine kürzlich veröffentlichte neue Studie zu Pestiziden im Kaffee verstärkt. Dabei wurden in einem Teil der untersuchten gerösteten Kaffeebohnen Rückstände von (in der EU nicht zugelassenen) Pflanzenschutzmitteln gefunden. Laut den Forschern können einige Stoffe den Röstprozess überstehen und letztlich im Kaffee landen.
Die Forscher und Umweltorganisationen sprechen zudem von einer Doppelstandardsituation. Sie weisen darauf hin, dass Pflanzenschutzmittel, die in der Europäischen Union nicht zugelassen sind, dennoch in kaffeerzeugende Länder exportiert werden. Durch importierten Kaffee können Rückstände dieser Stoffe anschließend erneut auf den europäischen Markt gelangen – diesmal im Kaffee.
Gesundheit
Nach Ansicht der Kritiker zeigt die Debatte, dass die Europäische Union vor einer Wahl steht. Sie meinen, dass die Beschleunigung von Verfahren nicht zulasten des Schutzes der Gesundheit von Verbrauchern, Landwirtschaftsarbeitern, der Biodiversität und der Umwelt gehen darf. Deshalb fordern sie die europäischen Institutionen auf, die bestehenden Sicherheitsstandards nicht weiter abzubauen.

