In britischen Schlachthöfen und Fleischverarbeitungsbetrieben drohen aufgrund der Corona-Pandemie neue Personalengpässe. Schlachtbetriebe könnten bald gezwungen sein, Produktionslinien stillzulegen, da immer mehr Personal in Quarantäne muss.
Dies müssen sie tun, sobald die Test-and-Trace-App des Gesundheitsministeriums anzeigt, dass sie Kontakt mit einer infizierten Person hatten.
Nach Angaben von Nick Allen, CEO der British Meat Processors Association (BMPA), ist die Lage derzeit „kritisch“. Bei einigen Fleischverarbeitern muss mehr als zehn Prozent des Personals sich aufgrund von Hinweisen der App isolieren, da in England innerhalb einer Woche eine halbe Million Menschen von der App „gepingt“ werden.
Die Fleischverarbeiter hatten nach dem Brexit bereits mit Personalengpässen zu kämpfen, da es für EU-Bürger schwieriger geworden ist, im Vereinigten Königreich zu arbeiten. Doch der jüngste Anstieg an Ausfällen hat das Problem verschärft, sagte Allen gegenüber der BBC.
„Wir sehen, wie unsere Produktionslinien schrumpfen. Wir hatten ohnehin schon einen Personalmangel von 11 %. Wenn Unternehmen nun zusätzlich 10 % Personal durch die Pings der App verlieren, wird die kritische Grenze von 15 % Unterbesetzung überschritten“, sagte er.
Die britische Regierung hat angekündigt, dass ab dem 16. August Personen, die doppelt geimpft sind, gebeten werden, einen COVID-Test zu machen, anstatt sich selbst zu isolieren.
Fleischverband-Chef Allen forderte mehr Klarheit darüber, wie lange Menschen in Quarantäne bleiben müssen, wenn sie gepingt werden. Er wiederholte den Aufruf der BMPA, Metzger in die Liste der systemrelevanten Berufe aufzunehmen, wodurch die Branche zeitweise Stellen mit ausländischen (europäischen) Arbeitskräften besetzen dürfte, bis die aktuelle Krise vorüber ist.
Einige britische Fleischverarbeitungsbetriebe rekrutierten 80 % ihres Personals aus EU-Ländern. Die Anfang des Jahres eingeführten Brexit-Regelungen haben laut Herrn Allen zu Einstellungsproblemen im Verarbeitungssektor geführt.

