In Großbritannien werden weitere tausende gesunde Schweine getötet und vernichtet werden müssen, wenn die Regierung nicht schnell etwas gegen den schreienden Personalmangel in den britischen Schlachtbetrieben unternimmt.
Nicht nur durch Corona-Infektionen unter dem derzeitigen (britischen) Personal, sondern vor allem durch das Fortgehen (günstiger) osteuropäischer Arbeitskräfte nach dem Brexit kämpft die britische Fleischindustrie bereits mit einem Kapazitätsdefizit von etwa 25 Prozent.
Die britischen Schweinehalter haben bei der Verarbeitung von Schlachtschweinen bereits einen Rückstand von schätzungsweise 70.000 Tieren. Dieser wächst mit einer Geschwindigkeit von 15.000 Tieren pro Woche. Für die Schweinehalter steigen die Kosten immer weiter, da die nicht geschlachteten Tiere gehalten und gefüttert werden müssen, aber keinen Ertrag bringen.
Die National Pig Association ist eine der Lebensmittel- und Landwirtschaftsorganisationen hinter dem sogenannten Grant Thornton-Bericht, der vergangene Woche Premierminister Boris Johnson aufforderte, eine vorübergehende Aufenthaltserlaubnis für ausländische Arbeitskräfte einzuführen. Die Präsenz großer Zahlen ausländischer Gastarbeiter (durch die Freizügigkeitsregeln für EU-Bürger) war vor zwei Jahren für viele Briten ein Argument für den Austritt aus der EU.
Am vergangenen Wochenende setzte sich die Boulevardzeitung Mail on Sunday, jahrelang der größte Befürworter des Brexits, für ein Abkommen mit der EU für eine neue Art von temporärem Visumsystem ein. „Wir suchen verzweifelt Unterstützung im Innenministerium, um die Rückkehr dieser Leute zu erleichtern. Zum zweiten Mal in weniger als einem Jahr steht die Schweinebranche vor einigen wirklich schwierigen Entscheidungen“, so die National Pig Association.
Die Schweinefleischindustrie erwartet im kommenden Jahr eine Abwanderung von Schweinehaltern, weil sie einfach genug haben – sie machen seit fast einem Jahr Verluste. Sie liefern derzeit etwa vierzig Prozent des Schweinefleischs, das im Vereinigten Königreich verzehrt wird. Wenn mehr Schweinehalter aufhören, wird das Land mehr aus der EU importieren müssen – die ultimative Ironie des Brexits, wie angemerkt wird.
Vor ein paar Wochen hat bereits die britische Geflügelindustrie wegen Personalmangels Alarm geschlagen. Dieser Sektor bietet über 40.000 Menschen Arbeit, hat aber inzwischen mehr als 7.000 offene Stellen. Aufgrund des Arbeitskräftemangels wurde die Produktion von Geflügelfleisch um 10 Prozent reduziert.

