Der britische Nahrungsmittel-Export in die EU ist innerhalb von fünf Jahren um fast ein Viertel gesunken. Das Exportvolumen fiel von 6,7 Milliarden Kilogramm auf 5,1 Milliarden Kilogramm. Damit ist der Absatz Richtung Europa deutlich kleiner geworden als vor dem Brexit.
Der Rückgang betrifft vor allem einzelne EU-Länder. Der britische Export nach Deutschland sank um fast 60 Prozent. Auch nach Polen und Belgien wurden deutlich weniger britische Nahrungsmittel- und Getränkeprodukte exportiert als in den Jahren vor dem Brexit.
Gleichzeitig wächst der britische Handel außerhalb der EU, jedoch deutlich schwächer. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 stieg ihr Export von Nahrungsmitteln und Getränken um knapp sechs Prozent. Besonders Indien und die Golfstaaten stechen hervor. Der Export nach Indien wuchs um fast zehn Prozent.
Auch auf der Importseite ändert sich das Bild. Die Einfuhr von Nahrungsmitteln und Getränken aus Nicht-EU-Ländern stieg um 17,1 Prozent. Damit erreichte die Gesamt-Nahrungsmittel-Importsumme in diesem Jahr einen Rekordwert von 49,6 Milliarden Pfund.
Der wirtschaftliche Kontext ist schwierig. Die britische Wirtschaft wächst langsam und der jüngste Haushalt enthielt laut offiziellen Schätzungen keine Maßnahmen, die das Wachstum spürbar erhöhen würden. Auch die Geldpolitik bietet nur begrenzten Spielraum für zusätzliche Anreize.
Dies befeuert in London die politische Debatte. In der britischen Politik wird offen über die wirtschaftlichen Folgen des Brexit und die Rolle des Handels mit der EU gesprochen. Gleichzeitig stoßen Aufrufe zu engeren Beziehungen auf politische Versprechen und Widerstand von Parteien, die den Abstand zur EU beibehalten wollen.
Umfragen im Vereinigten Königreich zeigen, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Briten der Meinung ist, dass der Brexit eine falsche Entscheidung war. Ebenso zeigen diverse Wirtschaftsdaten, dass die britische Wirtschaft schlechter dasteht als die meisten EU-Länder.
Die Labour-Regierung von Premierminister Kier Starmer hat Anfang dieses Monats beschlossen, einen kleinen Teil des Bruchs mit den EU-Ländern rückgängig zu machen: Britische Studierende dürfen wieder am europäischen Erasmus-Bildungsprogramm teilnehmen. Dadurch erhalten sie wieder Zugang zu Studien in den EU-Ländern.
Premierminister Kier Starmer hat außerdem zugestimmt, dass die Zollkontrolle an der spanischen Grenze zum britischen Gibraltar so gehandhabt wird, als handele es sich um die Grenze zwischen zwei EU-Ländern. Damit wird es für die britischen Einwohner Gibraltars und für Touristen in Südspanien keine »harte Grenze« nach Gibraltar geben.

