Minister Rainer (CSU) möchte nicht, dass Wörter wie „Veggie-Schnitzel“ oder „Tofu-Wurst“ von den Verpackungen entfernt werden müssen. Er bezeichnet das EU-Verbot als „unnötige Bürokratie“, die die Ernährungsbranche „mit unglaublich hohen Kosten“ belasten würde. Unternehmen müssten ihre Produkte neu kennzeichnen und alle Marketingkampagnen anpassen.
Laut Rainer wissen Verbraucher längst, dass pflanzliche Schnitzel kein Fleisch enthalten. „Wer einen vegetarischen Burger kauft, weiß, dass dieser nicht aus Rindfleisch besteht“, sagte er vergangene Woche in Luxemburg nach Beratungen mit seinen EU-Kollegen. Er ist der Ansicht, dass Verbraucher keinen zusätzlichen Schutz benötigen.
Deutschland bleibt damit eine wichtige Gegenstimme in den laufenden europäischen Verhandlungen zwischen den EU-Staaten und dem Europaparlament. Dadurch erscheint die Wahrscheinlichkeit einer Einführung des Verbots deutlich geringer.
Verbraucherorganisationen und die Ernährungsindustrie unterstützen die deutsche Haltung. In einem gemeinsamen Schreiben haben unter anderem Lidl, Aldi, Burger King und Beyond Meat ihre Ablehnung zum Ausdruck gebracht. Sie argumentieren, ein Verbot würde die Wiedererkennbarkeit von Produkten verringern und Innovationen bremsen. Lebensmittelproduzenten warnen zudem, dass die Neuetikettierung von tausenden Verpackungen Millionen Euro kosten würde.
Das Europäische Parlament stimmte Anfang dieses Monats mit knapper Mehrheit für das Verbot, initiiert von einer französischen Europaabgeordneten. Die Debatte erinnert an einen früheren Versuch aus dem Jahr 2020, als das Europaparlament einen ähnlichen Vorschlag ablehnte. Damals wie heute war der Kern der Ablehnung derselbe: Verbraucher wissen sehr genau, was sie kaufen – auch wenn es „Veggie-Schnitzel“ heißt.
Die niederländische Europaabgeordnete Anna Strolenberg (Volt) und ihre österreichische Kollegin Anna Stürgkh (NEOS) haben eine Petition gegen den EU-Vorschlag gestartet. Ihrer Ansicht nach gibt es keinen einzigen Beleg dafür, dass Verbraucher durch Begriffe wie Veggieburger oder Tofu-Wurst verwirrt werden. Strolenberg betonte, dass Hersteller von Fleischersatzprodukten gerade durch klare Etikettierung transparent seien.

