Niederlande haben offenbar unter dem Druck der Vereinigten Staaten darauf verzichtet, einem chinesischen Staatsunternehmen hochentwickelte Technologie zu liefern. Die US-Regierung soll 2018 und 2019 den niederlÀndischen Premierminister Mark Rutte unter Druck gesetzt haben, den Verkauf zu verhindern.
Nachdem das niederlĂ€ndische Technologieunternehmen ASML bereits 2017 beschlossen hatte, eine hochentwickelte EUV-Chipmaschine nach China zu liefern, hatte die Niederlande zunĂ€chst eine Liefergenehmigung erteilt. Dieses Verfahren scheint aus nicht erklĂ€rten GrĂŒnden eingestellt worden zu sein.
Anfang 2018 versuchte die USA, den Verkauf zu blockieren, was jedoch nur möglich war, wenn in einer solchen Maschine 25 Prozent amerikanische Komponenten enthalten sind. Die EUV-Maschinen von ASML erreichen diese Schwelle nicht. Laut der Nachrichtenagentur Reuters wird in den USA mittlerweile erwogen, die Regeln in diesem Bereich anzupassen.
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ASML ist einer der weltweit wichtigsten Hersteller von Chipmaschinen und hat groĂe Kunden wie Samsung und Intel. Zudem ist das Unternehmen der einzige Hersteller von Extremer Ultraviolett (EUV)-Maschinen. Dabei handelt es sich um sehr fortgeschrittene Maschinen, die im Produktionsprozess von Chips eingesetzt werden. Diese Maschinen sind essenziell, um in den kommenden Jahren Chips fĂŒr unter anderem Computer und Telefone weiterhin herstellen zu können.
Beamte des US-Verteidigungsministeriums sollen das Thema mehrfach auf der niederlĂ€ndischen Botschaft in Washington angesprochen haben. Zudem haben die USA Premierminister Rutte zweimal innerhalb kurzer Zeit persönlich unter Druck gesetzt, bei GesprĂ€chen mit AuĂenminister Pompeo. Einen Monat spĂ€ter besuchte der Premierminister PrĂ€sident Trump zum zweiten Mal.
Anfang November berichtete die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei, dass ASML die Bestellung des chinesischen Herstellers SMIC zurĂŒckgestellt hat. Quellen sagten der Zeitung, ASML wolle die Amerikaner nicht verĂ€rgern.
ASML bestĂ€tigt, dass auf eine Exportgenehmigung des niederlĂ€ndischen Wirtschaftsministeriums gewartet wird, da die vorherige Genehmigung abgelaufen ist. Es ist unklar, warum Exportgenehmigungen in den Niederlanden offenbar zeitlich begrenzt und/oder vorĂŒbergehend sind.
Die Vereinigten Staaten fĂŒhren unter den europĂ€ischen Regierungen auch eine Kampagne gegen die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem chinesischen Kommunikationsriesen Huawei. Dabei geht es um den geplanten europĂ€ischen Erwerb chinesischer AusrĂŒstung, mit der Peking das Telefon- und Internetnetz abhören könnte.
In der EuropĂ€ischen Union wird immer hĂ€ufiger gefordert, dass die EU-LĂ€nder groĂe und kostspielige Technologien gemeinsam selbst entwickeln sollten, was wegen interner Meinungsverschiedenheiten und Konkurrenz jedoch nicht vorankommt. Dies ist zwar weitgehend mit dem europĂ€ischen Flugzeugbauer Airbus gelungen, als GegenstĂŒck zu dem amerikanischen Boeing.
Doch in vielen Branchen und Industriebereichen kommt die europĂ€ische Zusammenarbeit nur schleppend voran. Die Folge ist, dass europĂ€ische LĂ€nder fĂŒr viele ihrer benötigten Produkte weiterhin auf den Einkauf anderswo auf der Welt angewiesen sind.

