Die Energieminister der EU-Länder kommen aufgrund der Energiekrise zu einem Eiltreffen zusammen, möglicherweise bereits Ende dieser Woche. Die steigenden Gaspreise führen zur Schließung immer mehr Düngemittelfabriken, wodurch die europäische Landwirtschaft ohne Dünger dazustehen droht.
Letzte Woche beschlossen zwei polnische Düngemittelhersteller, Azoty und Anwil, die Produktion einzustellen. Auch das norwegische Unternehmen Yara, unter anderem mit einer Niederlassung in Sluiskil, hat Teile der Produktion vorübergehend ausgesetzt. Die Entscheidung fiel weniger als 24 Stunden, nachdem die größte Düngemittelfabrik Großbritanniens den Betrieb eingestellt hatte. Etwa zwei Drittel der europäischen Düngemittelproduktion liegt inzwischen aufgrund der hohen Gaspreise still.
Europa importierte fast 40 % des Düngers aus Russland. Mineralische Düngemittel werden für fast die Hälfte der Nahrungsmittelproduktion verwendet. Viele Landwirte können die derzeit extrem hohen Preise schlichtweg nicht mehr bezahlen.
Polnische Agrarorganisationen haben Alarm geschlagen und warnen davor, dass die Nahrungsmittelproduktion diesen Herbst zum Erliegen kommen wird. Sie weisen darauf hin, dass CO2 ein Nebenprodukt der Düngemittelproduktion ist, welches sie als Betäubungsmittel in den zahlreichen polnischen Schweineschlachthöfen benötigen.
Die hohen Gaspreise sind eine direkte Folge der europäischen Sanktionen gegen Russland wegen des Kriegs in Ukraine. Putin finanziert diesen Krieg mit den Gewinnen aus dem Verkauf seines Öls und Gases. Die EU-Länder haben deshalb beschlossen, kein russisches Öl mehr zu kaufen und so schnell wie möglich vom russischen Erdgas loszukommen.
Die Verringerung der russischen Importe wird jedoch einige Jahre dauern, bis die EU-Länder andere Lieferanten gefunden haben und Alternativen entwickelt wurden.
Im Juni beschlossen die Minister zudem, die Wintervorräte der EU-Länder „um jeden Preis“ so weit wie möglich zu füllen, „damit wir nicht in der Kälte sitzen bleiben, wenn die Russen die Versorgung abdrehen“. Daraufhin hat Russland die Lieferungen an die EU-Länder bereits eingeschränkt, wodurch die Gaspreise auf den internationalen Märkten enorm gestiegen sind.
Durch die schrumpfenden Düngemittelvorräte werden die Preise hoch bleiben, was eine Bedrohung für die Nahrungsmittelproduktion darstellen kann, falls Landwirte gezwungen sind, weniger zu produzieren, weil kein Dünger mehr verfügbar ist. Dadurch drohen auch die Lebensmittel für die Verbraucher noch teurer zu werden.

