Landwirtschaftskommissar Hansen betont, dass die EU die Ukraine weiterhin unterstützt, aber auch die europäische Landwirtschaft berücksichtigt werden müsse. Im Interview mit AFP sagte er, er erwarte, dass die Europäische Kommission bei der nächsten Entscheidungsrunde weniger weit gehen werde, wenn es darum geht, unbegrenzte Importe zuzulassen. „Wir suchen nach einer Balance“, so Hansen.
Seit der russischen Invasion im Jahr 2022 unterstützt die Europäische Union die Ukraine auf vielfältige Weise. Eine davon war die Abschaffung von Einfuhrzöllen und Quoten für ukrainische Agrarprodukte. Dies sollte dem Land wirtschaftlich helfen und den Export von Getreide, Gemüse, Obst und Fleisch in die EU erleichtern.
Diese vorübergehende Maßnahme führte schnell zu Spannungen innerhalb der EU. Landwirte aus verschiedenen EU-Ländern warnten, dass ukrainische Produkte zu wesentlich niedrigeren Preisen auf den europäischen Markt gelangen. Sie sprachen von „subventioniertem Wettbewerb“ und befürchteten, selbst die Leidtragenden der Grenzöffnung zu werden.
Vor allem in Frankreich, Polen und Rumänien führte dies zu Protesten. Französische Geflügelzüchter beklagten den Import von ukrainischem Geflügel, das günstiger sei als ihre eigene Produktion. In Polen gab es Unruhen wegen des Zustroms ukrainischen Getreides, das die einheimischen Preise unter Druck setzte und Lagerkapazitäten in Anspruch nahm. In Ungarn und der Slowakei fiel die Kritik ähnlich aus.
Obwohl die Vereinbarungen ursprünglich für ein Jahr galten, wurden sie inzwischen mehrfach verlängert. Gleichzeitig gab es im vergangenen Jahr bereits Anpassungen. So gelten seit letztem Herbst wieder Beschränkungen für den Import bestimmter Produkte wie Zucker, Geflügel und Eier.
Innerhalb der EU hat sich die Debatte über die Unterstützungsmaßnahmen für die Ukraine verschärft. Einige Länder drängen auf eine Verlängerung der Handelsausnahmen, während andere einen strengeren Schutz des Binnenmarktes fordern. Die Europäische Kommission muss Anfang Juni eine Entscheidung treffen, kurz vor der Sommerpause des Europäischen Parlaments.
In der Ukraine wird die bevorstehende europäische Entscheidungsfindung mit Sorge verfolgt. Für das Land ist der Export in die EU entscheidend für das wirtschaftliche Überleben. Einige Analysten weisen jedoch darauf hin, dass eine zu große Abhängigkeit vom EU-Markt für Kiew ebenfalls Risiken birgt, insbesondere wenn die politische Unterstützung nachlässt oder Bedingungen sich ändern.

