Diese beiden Länder waren der Ansicht, dass sich die derzeitige Union zunächst selbst reorganisieren und modernisieren müsse, bevor Neueinsteiger zugelassen werden. Es ist unklar, ob aufgrund des russischen Kriegs gegen Ukraine mittlerweile anders darüber gedacht wird.
Das Europäische Parlament ist der Meinung, dass nicht nur Moldawien und die Ukraine Kandidaten für eine Mitgliedschaft sein sollten, sondern auch Bosnien-Herzegowina. Gleichzeitig fordern die Europaabgeordneten, die Beitrittskriterien zu ändern: Die Verhandlungen sollen innerhalb von sechs Jahren abgeschlossen sein, und es sollen auch Zwischenstrafmaßnahmen ergriffen werden können.
Die Abgeordneten betrachten die Erweiterungspolitik als die stärkste geopolitische Trumpfkarte der EU, insbesondere angesichts der zunehmenden Bedrohung durch Russland. Bereits jetzt können Länder, die beitreten wollen, ihre Außen- und Sicherheitspolitik auf die der EU abstimmen. Einige tun dies bereits.
Die Europaabgeordneten blicken jedoch kritisch auf Serbien, das sich nicht an den EU-Sanktionen gegen Russland beteiligt. Laut der Europaabgeordneten Tineke Strik (GroenLinks) hat die russische Aggression „zu Recht“ zu einem stärkeren Drang nach EU-Erweiterung geführt.
Die Niederlande bleiben gegen den Beitritt Bulgariens zum Freizügigkeitsraum innerhalb Europas, dem Schengen-Raum. Rumänien und Kroatien sind hingegen bereit, aufgenommen zu werden. Nach Angaben des niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte erfüllt Bulgarien noch nicht die Voraussetzungen, um Bulgaren eine Passkontrollfreie Reise durch die EU-Länder zu ermöglichen.
Rutte bezeichnete die Entscheidung, Rumänien nun doch zuzulassen, als „einen großen Schritt“, nachdem die Niederlande jahrelang deren Aufnahme in das Schengen-System blockiert hatten. Die Europäische Kommission und das Europäische Parlament sind der Auffassung, dass alle drei EU-Staaten die in der Vergangenheit getroffenen Vereinbarungen eingehalten haben.
Am 8. Dezember wird die Thematik bei der Sitzung der EU-Minister für Justiz und Inneres erörtert. Bei Abstimmungen sowohl über die Zulassung neuer Schengen-Länder als auch über die EU-Erweiterung ist Einstimmigkeit erforderlich.

