Der Großteil der Fälle ereignete sich auf der Schifffahrtsroute China - Griechenland - Italien, wobei der Hafen von Piräus der wichtigste Eingangspunkt und Italien das wichtigste Endziel war.
Die ersten aufgedeckten Fälle stammen aus der Mitte des letzten Jahres. Daraufhin wurde unter Führung des EU-Anti-Betrugsamts OLAF eine großangelegte Aktion in Zusammenarbeit mit den Zollbehörden von acht EU-Ländern gestartet.
Die Beantragung der Mehrwertsteuerrückerstattung erfolgt meist mit Waren, die über einen Mitgliedstaat in die EU eingeführt werden, deren Endziel jedoch ein anderer EU-Staat ist. Die Mehrwertsteuer ist dann in diesem anderen EU-Land fällig, doch ist der Händler inzwischen pleite oder spurlos verschwunden.
Als weiterer Nebeneffekt dieser Operation wurden auch zwei große Sendungen gefälschter Waren beschlagnahmt. Sie enthielten 127.000 gefälschte Hüte und Kleidungsstücke sowie 4 Millionen Zigarettenpäckchen.
Der griechische Hafen Piräus gehört vollständig dem chinesischen Transportunternehmen Cosco, das 2016 die Liegeplätze und Hafeneinrichtungen für mehrere Milliarden Euro erwarb, als Griechenland während der Bankenkrise kurz vor dem vollständigen Bankrott stand.
Griechenland musste damals unter dem Druck der Finanzaufsichtsbehörden der Europäischen Union erheblich sparen und die Wirtschaft grundlegend reformieren. Das chinesische Unternehmen Cosco erwarb alle Hafenrechte und investierte kräftig in zwei neue Containerterminals. Heute ist Piräus der viertgrößte Containerhafen Europas.
Der Schaden durch Mehrwertsteuer-Betrug wird in Brüssel auf 50 Milliarden Euro geschätzt. Darüber hinaus gibt es Schäden in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro durch andere betrügerische Handlungen, wie Subventionsmanipulation oder Korruption.
Eine frühere grenzüberschreitende Untersuchung durch europäische Staatsanwälte, OLAF und nationale Polizeibehörden deckte nach einigen Monaten ein Netzwerk von Hunderten von Personen und mehreren Tausend Unternehmen auf. Gemeinsam hatten sie einen Mehrwertsteuer-Betrug in Höhe von 2,2 Milliarden Euro begangen. Dies war die größte jemals in der EU entdeckte Mehrwertsteuerkarussellbetrugsaffäre.

