Das Europäische Staatsanwaltbüro berichtet, dass die Finanzpolizei des Landes, die Guardia di Finanza, vergangene Woche Bankguthaben in Höhe von über 71 Millionen Euro eingefroren hat.
Das Syndikat importierte Handtaschen, Schuhe und andere Accessoires und nutzte dabei die Zollregelung 42 der Europäischen Union. Diese Regelung macht es überflüssig, Einfuhrmehrwertsteuer an europäischen Eingangshäfen zu zahlen, wenn der endgültige Bestimmungsort der Waren ein anderes Land innerhalb der EU ist.
Nach Angaben des Europäischen Staatsanwaltbüros (EPPO) gelangten die Schmuggelwaren über Bulgarien, Ungarn und Griechenland in die Europäische Union und wurden anschließend zu Verteilzentren in Italien transportiert.
Das Staatsanwaltbüro enthüllte, dass das Syndikat gefälschte Rechnungen für nicht existierende Transaktionen „zwischen fiktiven Unternehmen“ erstellte und einreichte.
Zur Steuerhinterziehung soll das Syndikat 29 Firmen gegründet haben, die innerhalb von zwei Jahren wieder geschlossen wurden.
Das EPPO bezeichnete das Syndikat als „kriminelles Unternehmen chinesischer Unternehmer“ und wies darauf hin, dass sie zudem eine unterirdische Geldtransfer-Operation durchführten, bei der traditionelle Finanzinstitute umgangen wurden. Der Dienst wurde gegen Bezahlung auch anderen chinesischen Staatsbürgern in Italien angeboten.
Fünf chinesische Restaurants, acht Luxusfahrzeuge, ein Haus, eine Wohnung und ein Einkaufszentrum im Besitz von insgesamt 33 Personen wurden beschlagnahmt. Auch ihre Bankkonten wurden eingefroren.
Das europäische Büro stellte fest, dass die Regelung Teil eines unterirdischen Bankennetzwerks war, das Geld durch ganz Europa via Bulgarien, Dänemark, Estland, Frankreich, Irland, Deutschland, Griechenland, Spanien und das Vereinigte Königreich bewegte, bevor es schließlich den endgültigen Bestimmungsort China erreichte.
Die Behörden schätzen, dass durch den Betrug generiertes Geld 500 Millionen Euro betrug und das Ergebnis eines „komplexen Schemas internationaler Steuerhinterziehung“ war, an dem auch „Blitzhändler“ beteiligt waren.
Das EPPO zitierte Hunderte Container mit Kleidung und Accessoires, die, wie aus der diesjährigen Untersuchung hervorging, über Bulgarien und Griechenland nach Europa gelangten und anschließend in Italien neu verteilt wurden.

