Seit Beginn des Krieges sind ukrainische landwirtschaftliche Flächen durch Bomben, Minen und chemische Verunreinigungen stark beschädigt worden. Laut Wageningen University & Research (WUR) sind große Teile des Bodens für die landwirtschaftliche Produktion unbrauchbar geworden. Der Schaden ist so umfangreich, dass Wiederherstellungsprojekte in großem Umfang notwendig sein werden, sobald der Krieg endet.
Den Schätzungen der Forscher aus Wageningen zufolge werden die Kosten für die Sanierung der kontaminierten Ackerflächen mehrere Dutzend Milliarden Euro betragen. Dabei geht es nicht nur um die physische Entfernung von Minen und Sprengkörpern, sondern auch um chemische Reinigungen, um die Lebensmittelsicherheit wiederherstellen zu können.
Vor über einem Jahr hat die Ukraine den Markt für landwirtschaftliche Flächen geöffnet, die zuvor im Besitz des Staates und großer Genossenschaften waren. Aus aktuellen ukrainischen Daten geht hervor, dass nur drei Prozent der verfügbaren landwirtschaftlichen Flächen tatsächlich verkauft wurden. Viele ukrainische Bauern bleiben vorsichtig, unter anderem wegen der unsicheren Lage im Land.
Die ukrainische Regierung versucht, den Verkaufsprozess zu beschleunigen, indem sie die Regeln für den Verkauf und die Verteilung landwirtschaftlicher Flächen vereinfacht. So werden unter anderem Parzellen aufgeteilt und Staatsflächen für langfristige Pacht zur Verfügung gestellt. Dennoch bleibt die Anzahl der Transaktionen begrenzt, vermutlich auch weil viele Bauern ihre finanziellen Reserven (falls sie überhaupt welche hatten) für andere, strikt notwendige Zwecke verwendet haben.
Gleichzeitig führt die Ukraine intensive Verhandlungen mit der Europäischen Union über eine zukünftige Mitgliedschaft, auf kurze oder längere Sicht. In diesem Fall muss der Landwirtschaftssektor umfangreiche EU-Kriterien im Bereich Nachhaltigkeit, Tierschutz und Lebensmittelsicherheit erfüllen. Die Europäische Kommission stellte kürzlich fest, dass die Ukraine in mehreren Bereichen des Beitrittsprozesses auffallend schnell Fortschritte macht.
Außerdem laufen Eilberatungen über die Handelsbeziehungen zwischen der Ukraine und der EU. Im Juni laufen die derzeitigen vorübergehenden Handelslockerungen aus. Werden keine neuen Vereinbarungen getroffen, gelten wieder die alten Handelsquoten und Zölle von vor 2022, die für die Ukraine wesentlich ungünstiger waren.
Die Europäische Kommission hat versprochen, bessere Handelsbedingungen anzubieten als jene vor dem Krieg. Ein neues Abkommen würde ukrainischen Landwirtschaftsprodukten einen größeren Zugang zum europäischen Markt ermöglichen, sofern sie die von der EU für Importprodukte geforderten Standards erfüllen. Die Gespräche darüber sind noch im Gange.

