In der Europäischen Union bleiben Hitze und Trockenheit vor allem in den südlichen EU-Ländern ein Problem. In Frankreich wird die Forderung nach staatlicher Unterstützung aus der Landwirtschaft immer lauter, und in Spanien hat die Weinlese bereits zwei Wochen früher begonnen. Auch das Vereinigte Königreich erlebt derzeit den trockensten Sommer seit über 50 Jahren.
Der französische Bauernverband FNSEA rief Landwirtschaftsminister Marc Fesneau dazu auf, die Anforderungen für das Aussäen von Zwischenfrüchten zu lockern. Französische Landwirte dürfen dies wegen Formalitäten nicht selbst entscheiden. Der Verband drängt außerdem auf eine möglichst frühzeitige Auszahlung von Unterstützung oder Vorschüssen, um Liquiditätsprobleme zu vermeiden.
Die Trockenheit in Frankreich hat inzwischen auch unerwartete Folgen. In verschiedenen Teilen des Landes mussten – in der verkehrsreichen Urlaubszeit – Badeverbote verhängt werden, nachdem die hohen Wassertemperaturen zu einer explosionsartigen Vermehrung schädlicher Blaualgen geführt hatten.
Französische Meteorologen gehen davon aus, dass die aktuelle Hitzewelle in einigen Tagen mit Gewittern enden wird. Das wird jedoch nicht unmittelbar zu einer Verbesserung des ausgetrockneten Bodens führen, da das meiste Regenwasser sofort abfließen wird.
Spanien meldet den wärmsten Juli seit Beginn der Messungen im Jahr 1961 mit einer Durchschnittstemperatur von 25,6 Grad Celsius. Es fiel weniger als die Hälfte des normalen Niederschlags.
Die Lage ist vor allem im Süden Andalusiens besonders schlecht, wo die Stauseen nur noch ein Viertel des Wassers enthalten. Auch das Oberflächen- und Grundwasser sind zurückgegangen. Die meisten spanischen Gemüse- und Obstsorten werden in Andalusien angebaut. Die Landwirtschaft verbraucht dort etwa 80 Prozent der Wasserressourcen.
Die spanischen Bauern befürchten bei der Sonnenblumenernte einen Rückgang des Ertrags pro Hektar um bis zu 40 Prozent. Nach Angaben des Bauernverbands Asaja wird das Produktionsvolumen allerdings nur leicht sinken, da die Anbauflächen infolge des Kriegs in Ukraine in diesem Jahr deutlich ausgeweitet wurden.
Bei Wintergetreide fiel die Ernte in Spanien jedoch bereits um 30 Prozent kleiner aus, und die Maisproduktion wird voraussichtlich halbiert. Auch Oliven, Avocados und Zitrusfrüchte sind stark betroffen. Winzer versuchten, die Ernte zu retten, indem sie die Lese vorverlegten. Asaja schätzt den Gesamtschaden durch die Trockenheit in der Landwirtschaft auf über 8 Milliarden Euro.

