Die Verhandlungen über das Mercosur-Abkommen zwischen der Europäischen Union und südamerikanischen Ländern könnten bald wieder aufgenommen werden. Ein solches Handelsabkommen ist nach Ansicht des neuen brasilianischen Präsidenten Lula da Silva dringend notwendig. Auf einer Pressekonferenz in Montevideo plädierte er für mehr Freihandel zwischen der EU und fünf südamerikanischen Ländern.
Der jüngste Regierungswechsel in Brasilien hat in der Europäischen Union neue Hoffnung auf den Abschluss des Handelsabkommens mit den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten geweckt. Kürzlich hatten sich bereits verschiedene EU-Politiker für eine Anpassung des bereits vereinbarten Vertragstextes ausgesprochen.
Mehrere EU-Länder verweigern bisher die Ratifizierung des Abkommens, da es ungleiche Wettbewerbsverhältnisse in der Fleischindustrie schafft. Die südamerikanische Viehwirtschaft muss sich nicht an die strengeren Vorschriften halten, die für die europäische Fleischindustrie in der EU gelten.
Diese ungleichen Regeln beziehen sich vor allem auf den umwelttechnischen Vorwurf, dass die Mercosur-Länder nichts gegen die illegale Abholzung von Urwaldwäldern unternehmen. Eine solche fehlende Klausel möchte der neue brasilianische Präsident nun dem Vertrag hinzufügen. Dies müsste es den EU-Ländern ermöglichen, das Abkommen doch noch zu ratifizieren.
EU-Handelskommissar Vladis Dombrovkis sieht ebenfalls größere Chancen für das 2019 mit der EU verhandelte Mercosur-Abkommen. "Selten war die Chance so groß wie jetzt", sagte der Kommissar Anfang der Woche im Handelsausschuss des Europäischen Parlaments. Brasilien sei nun bereit, eine ergänzende Vereinbarung zum Schutz des Regenwaldes anzugehen, berichtete Dombrovkis.
Im Agrarsektor der EU besteht vor allem Sorge über zusätzliche Rindfleischeinfuhren aus Brasilien. Österreich hat sich bereits gegen das Handelsabkommen ausgesprochen. Doch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, drängt seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine und den veränderten geopolitischen Verhältnissen auf eine Annäherung der Demokratien mit vergleichbaren Werten.

