Warschau und Kiew kündigten am Dienstag an, dass sie sich darauf geeinigt haben, den Durchgang ukrainischer Getreideexporte über Polen zu beschleunigen, als ersten Schritt zur Lösung ihres „Getreidekriegs“. Es ist noch nicht bekannt, ob Ungarn und die Slowakei dem Beispiel Polens folgen und ebenfalls ihren Widerstand gegen die Wiederaufnahme der Getreidetransporte über Land aufgeben werden.
Die Dreiländervereinbarung zwischen Polen, der Ukraine und Litauen bedeutet, dass der ukrainische Getreideexport – insbesondere für Märkte in Afrika und dem Nahen Osten – direkt über Polen abgewickelt wird, anstatt zunächst an der Grenze zwischen Polen und der Ukraine kontrolliert zu werden, erklärte der polnische Landwirtschaftsminister Robert Telus gegenüber Journalisten. Damit können die europäischen „Solidaritätskorridore“ wieder genutzt werden.
Nach der russischen Invasion Anfang letzten Jahres kam der ukrainische Export aus den Häfen am Schwarzen Meer zum Erliegen, wurde anschließend mit russischer Zustimmung teilweise wieder aufgenommen und dann erneut eingestellt. Inzwischen hat Kiew Ersatztransportwege in Betrieb genommen, vor allem per Binnenschiff über die Donau zum rumänischen Hafen Constanta.
Übrigens wird trotz der russischen Seeblockade seit einigen Tagen wieder ein ukrainischer Hafen im äußersten Südwesten des Landes genutzt. Von dort sind bereits mehrere Schiffe „ungehindert“ ausgelaufen, wobei die Schiffe „unter der Küste“ innerhalb der Hoheitsgewässer der NATO-Länder Rumänien und Bulgarien bleiben. Allerdings ist vor einer Woche ein Frachtschiff, beladen mit Zement, auf eine Mine gefahren.
Die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen hat gestern mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj über die Ausweitung der Transportmöglichkeiten über europäisches Gebiet gesprochen.

