Der erste Beschuldigte wurde des Betrugs zum Nachteil eines polnischen Getreidehändlers beschuldigt, indem er mehr als 100 Tonnen Weizen verkaufte und verschleierte, dass die Ladung zuvor als ‚technisches‘ Getreide aus Ukraine importiert worden war.
Der zweite Beschuldigte wurde der Urkundenfälschung bei Zollpapieren beschuldigt, sodass importiertes ukrainisches Getreide dennoch auf den Agrar-Lebensmittelmarkt gelangte.
Der dritte Beschuldigte wurde ebenfalls des Zollbetrugs in 190 Zollanmeldungen für den Import von Mais und Raps beschuldigt. Dabei ging es um ein Geschäft im Wert von mehreren Millionen.
Die Angelegenheit des Handels mit ukrainischem ‚technischem‘ Getreide ist nicht nur in der polnischen Landwirtschaft, sondern auch in der Politik und auf dem weitläufigen Land äußerst sensibel. Die Bezeichnung ‚technisches‘ Getreide wurde anfangs vom Zoll und der polnischen Regierung verwendet, um die Einfuhr und den Durchlauf ukrainischen Getreides zu ermöglichen, das ohne Abgaben oder Kontrollen ‚in andere Länder weitergeleitet‘ werden sollte.
In der Praxis stellte sich jedoch heraus, dass ein Großteil davon letztlich auf dem polnischen Rohstoffmarkt landete, wodurch polnische Landwirte ihr Getreide nicht loswurden oder nur zu Dumpingpreisen verkaufen konnten. Dies führt zudem zu Konflikten mit den EU-Regeln für Einfuhrzölle und Kontingente, über die am 15. September erneut entschieden werden muss.
Derzeit sind im Rahmen der Untersuchung, die von einem Staatsanwaltschaftsteam durchgeführt wird, Dutzende Verfahren gegen verdächtige Händler zusammengeführt worden. Bisher wurden 283 Hausdurchsuchungen durchgeführt, bei denen Dokumente sichergestellt wurden. Der Prozess steht unter der Aufsicht der Abteilung für Wirtschaftskriminalität der Landesstaatsanwaltschaft.
Der radikale polnische Bauernverband Agrounia fordert die Offenlegung der Namen polnischer Getreidehändler, die – auf Kosten polnischer Landwirte – kräftig an der europäischen Lockerung für die ukrainische Landwirtschaft verdient haben. Die polnische Regierungspartei PiS lehnt dies bisher ab, da es gegen Beihilferegeln verstoßen würde. Dies wird jedoch von dem (polnischen!) EU-Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski widersprochen.

