Im Mittelpunkt der Kritik steht die neue rechtliche und finanzielle Architektur der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Erstmals seit 1962 soll es keinen separaten Agrarfonds mehr geben. Stattdessen werden die Agrarmittel in einem breit angelegten Fonds innerhalb des mehrjährigen Finanzrahmens 2028–2034 zusammengefasst.
Dieser Fonds, mit einem Umfang von etwa 865 Milliarden Euro, soll verschiedene EU-Politikprogramme in nationale Pläne pro EU-Land bündeln. Laut dem Rechnungshof erhöht dies die Unsicherheit für die Landwirtschaft. Das Gesamtbudget wird nämlich erst endgültig festgelegt, nachdem die nationalen Pläne pro Land beschlossen und von Brüssel genehmigt wurden.
Für die Landwirtschaft sind Kürzungen in Höhe von mehreren zehn Milliarden Euro eingeplant, da die EU in den kommenden Jahren viel zusätzliches Geld für die Stärkung der europäischen Wirtschaft und für Verteidigung bereitstellen will. Zudem werden mehrere milliardenschwere Agrarmittel „in Reserve“ gehalten. Die EU-Länder werden aufgefordert, ihre Beiträge zur Landwirtschaft zu erhöhen, doch die Branche muss abwarten, ob dies tatsächlich erfolgen wird.
Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt betrifft die größere Flexibilität der EU-Länder bei ihren Entscheidungen und der Ausgestaltung ihrer nationalen Pläne. Obwohl maßgeschneiderte Lösungen Vorteile haben können, warnt der EuRH, dass dies den gemeinsamen Charakter der Agrarpolitik beeinträchtigen und zu Wettbewerbsverzerrungen zwischen den EU-Ländern führen kann.
Diese größere Autonomie der EU-Länder in der Agrarpolitik wurde bereits vor einigen Jahren mit der Einführung der sogenannten nationalen Strategischen Pläne eingeleitet, auch auf Drängen von Landwirten und deren Organisationen, die sich gegen zu viel Einflussnahme durch Brüssel wehrten.
Es besteht zudem Unklarheit darüber, welche Maßnahmen auf tatsächlicher Produktion basieren und welche auf rechnerischen Meilensteinen oder theoretischen Zielen beruhen müssen. Laut dem Rechnungshof muss in allen Fällen die Verantwortlichkeit und Nachverfolgbarkeit der EU-Subventionen bis zu den Endbegünstigten gewährleistet bleiben. In den vergangenen Jahren ist in mehreren EU-Ländern deutlich geworden, dass mit europäischen Agrarsubventionen geschummelt und betrogen wird.
Die Kommission verteidigt ihre Vorschläge und erklärt, dass das neue Konzept darauf abzielt, die Verwaltungsbelastung für die Bauern zu reduzieren und die finanzielle Unterstützung für Landwirte zu beschleunigen. Im kommenden Jahr wird es üblich sein, dass die Brüsseler Gespräche über die neue Agrarpolitik parallel zu den Verhandlungen über den neuen mehrjährigen Finanzrahmen verlaufen.

