Der ukrainische Präsident Selenskyj ist nicht bei der internationalen Konferenz über die Europäische Union und die Ukraine in der polnischen Hafenstadt Danzig anwesend. Sein Fehlen folgt auf einen offenen Konflikt mit dem konservativen polnischen Präsidenten Nawrocki, wodurch die Spannungen zwischen den beiden Nachbarländern weiter zugenommen haben.
Auszeichnung
Der diplomatische Streit entstand, nachdem Nawrocki Selenskyj den Orden vom Weißen Adler, die höchste polnische Staatsehrung, aberkannt hatte. Mehrere prominente ukrainische Funktionäre reagierten darauf, indem sie ebenfalls ihre polnischen Auszeichnungen zurückgaben. Damit erhielt ein seit längerem schwelender Konflikt eine neue politische Bedeutung.
Innenpolitisch
Dabei spielen historische Meinungsverschiedenheiten weiterhin eine wichtige Rolle. Die Debatte über den Zweiten Weltkrieg in der Region ist wieder aufgeflammt und setzt die Beziehungen zwischen Warschau und Kiew weiter unter Druck. Dadurch ist die Ukraine auch zu einem immer sensibleren Thema in der polnischen Innenpolitik geworden. Dabei steht der polnische Premierminister Tusk auf der Seite Selenskyjs, während der konservative Präsident Nawrocki gegensätzlich agiert.
Promotion
Wiederaufbau
Die Spannungen fallen mit der internationalen Konferenz in Danzig zusammen, die sich dem Wiederaufbau der Ukraine widmet. Dort wird weitere europäische Unterstützung für die Ukraine diskutiert. Voraussichtlich wird der Präsident der Europäischen Kommission die erste Tranche eines europäischen Darlehens in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Ukraine ankündigen.
Trotz der politischen Spannungen bleibt die europäische Unterstützung für die Ukraine bestehen. Gleichzeitig warnen mehrere EU-Führer davor, dass eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine die europäische Zusammenarbeit erschweren könnte. Es wird auch darauf hingewiesen, dass Uneinigkeit innerhalb Europas letztlich Russland in die Karten spielen könnte.
Landwirtschaft
Neben dem politischen Streit bleibt auch die Zukunft der europäischen Landwirtschaft ein wichtiger Streitpunkt zwischen beiden Ländern. Der mögliche Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union sorgt in Polen für Besorgnis über die Auswirkungen auf die polnischen Landwirte. Verschiedene Quellen verweisen dabei auf die niedrigeren Produktionskosten ukrainischer Landwirtschaftsbetriebe.
Polnische Landwirte befürchten, dass das Hereinkommen ukrainischer Agrarprodukte zusätzlichen Druck auf Preise und Einkommen ausüben könnte. Derzeit ist Polen noch eines der größeren Agrarländer innerhalb der EU.
Komplexer
Doch das Aufkommen der riesigen ukrainischen Landwirtschaft zwingt die derzeitigen EU-27 zu einer neuen Agrarpolitik. Daher drängt die polnische Regierung weiterhin auf Schutz der heimischen Landwirtschaft und auf Garantien, bevor die Ukraine vollständig in den europäischen Binnenmarkt aufgenommen wird.
Dadurch verlaufen politische Spannungen und wirtschaftliche Zusammenarbeit immer häufiger nebeneinander her. Die Kombination aus historischen Streitigkeiten, Landwirtschaftsinteressen, europäischer Unterstützung und der Vorbereitung eines möglichen ukrainischen EU-Beitritts macht die Beziehung zwischen Polen und der Ukraine komplexer als zuvor.

