Umweltorganisationen und Verbraucherverbände ziehen daher vor das EU-Gericht. Die Angelegenheit betrifft Millionen von Verbrauchern, Herstellern und EU-Ländern, die bereits auf klarere Informationen auf der Vorderseite von Verpackungen setzen.
Jahrelang galt ein EU-weites Lebensmittelkennzeichen als Pfeiler der Farm-to-Fork-Strategie. Die dahinterstehende Idee ist, Verbrauchern auf einen Blick verlässliche Ernährungsinformationen zu bieten und so gesündere Ernährungsentscheidungen zu fördern. Inzwischen wurde der Vorschlag jedoch ohne öffentliche Erklärung auf Eis gelegt. Das nährt den Verdacht über die Motivation hinter der Kursänderung und über den Einfluss von Interessengruppen auf den Entscheidungsprozess.
Der Kern des Konflikts ist Transparenz. Organisationen forderten Zugang zur Folgenabschätzung, zur Einschätzung der internen Kontrolle sowie zu den Sitzungsprotokollen. Die Europäische Kommission verweigerte dies mit der Begründung, selbst eine teilweise Veröffentlichung würde das laufende Entscheidungsverfahren untergraben. Genau diese Argumentation macht den Fall politisch und rechtlich brisant.
Der Europäische Bürgerbeauftragte befasste sich mit der Verweigerung und kam zu dem Schluss, dass die Begründung unzureichend ist. Dieses Urteil stärkt den Rücken der Kläger. Sie brachten die Angelegenheit nun vor das EU-Gericht mit dem Ziel, doch noch Zugang zu den Dokumenten zu erhalten, die Aufschluss darüber geben sollen, warum Nutri-Score gescheitert ist und wie diese Entscheidung zustande kam.
Während eine EU-weite Verpflichtung bisher ausblieb, haben verschiedene EU-Länder bereits in unterschiedlichem Maße die Einführung dieses ursprünglich französischen Modells gewählt. Das erhöht den Druck auf Brüssel, zu erklären, warum eine vollständige EU-Harmonisierung ausbleibt und warum die dazugehörigen Dokumente vorerst unter Verschluss bleiben. Dieser Mangel an Klarheit verstärkt das Bild von Entscheidungen hinter verschlossenen Türen.

