Die neue Untersuchung konzentriert sich auf die Verwendung europäischer Zuschüsse, die dazu bestimmt waren, das griechische Eisenbahnnetz zu modernisieren und sicherer zu machen. Das Geld war für die Installation von automatischen Zugbeeinflussungssystemen vorgesehen, doch die Umsetzung blieb aus. Dadurch fehlten über Jahre hinweg wichtige Sicherheitsvorkehrungen.
Kövesi wiederholte, dass das schwere Zugunglück in Tempi, bei dem Dutzende Menschen starben, hätte vermieden werden können, wenn die verfügbaren EU-Subventionen rechtzeitig eingesetzt worden wären. Der Unfall legte strukturelle Mängel in der Eisenbahninfrastruktur und bei der Überwachung der Verwendung europäischer Mittel offen.
Die Anklägerin stellt fest, dass die Verzögerungen und Missstände nicht isoliert sind. In Griechenland läuft bereits eine umfangreiche Untersuchung wegen Betrugs bei europäischen Agrarsubventionen, an der vor allem Landwirte auf Kreta beteiligt sind. Dabei sollen Millionen Euro unrechtmäßig für Tätigkeiten geltend gemacht worden sein, die nicht den Subventionsregeln entsprachen.
Griechenland hat aufgrund seiner geografischen Struktur eine schwache Organisation der nationalen Verwaltung. Das Land besteht aus mehreren Tausend kleinen Inseln, von denen etwa 250 bewohnt sind. Diese Inselgemeinden regeln die meisten staatlichen Angelegenheiten weitgehend selbst, ohne tatsächliche Einmischung oder Kontrolle vonseiten Athens.
Nach Angaben von Kövesi hat die griechische Regierung in der Vergangenheit aktiv versucht, ihre Untersuchungen zu beeinflussen und zu erschweren. Die Untersuchungen der europäischen Anklagebehörde bringen sensible politische Fragen ans Licht. In beiden Fällen – sowohl bei den Eisenbahnen als auch in der Landwirtschaft – spielen Anschuldigungen wegen Korruption, Interessenkonflikten und fehlender Kontrolle eine Rolle.
Obwohl Griechenland derzeit im Fokus steht, ist es nicht das Land mit den meisten Verdachtsfällen von Subventionsbetrug innerhalb der EU. Auch in Ländern wie Bulgarien, Rumänien und Italien laufen große Verfahren, bei denen es um Missbrauch von Mitteln unter anderem für Infrastruktur, Landwirtschaft und regionale Entwicklung geht.
Mit der Ausweitung der Eisenbahnuntersuchung wird der Druck auf die Regierung in Athen weiter erhöht. Die kommenden Monate werden zeigen, inwieweit die griechischen Behörden bereit sind, vollständig mitzuarbeiten, oder ob erneut politische und rechtliche Konfrontationen zwischen Athen und der Europäischen Staatsanwaltschaft entstehen werden.

