Der europäische Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski bezeichnet es als wesentlich, Russland vom internationalen Handel auszuschließen. Als Sanktion gegen das Regime von Präsident Putin hat die internationale Gemeinschaft unter anderem den Ausschluss Russlands vom internationalen Zahlungsverkehr veranlasst. Dadurch kommt auch ein großer Teil des Handels zum Erliegen.
Die Invasion in die Ukraine droht auch die Weltmärkte für Agrarprodukte und Rohstoffe, die für die landwirtschaftliche Produktion benötigt werden, wie Energie und Düngemittel, ernsthaft zu stören. Seit Beginn des Konflikts gab es bereits einen starken Anstieg der Weltmarktpreise. Dies hat weitere Auswirkungen auf die Märkte, die kürzlich historisch hohe Preise für wichtige Rohstoffe verzeichneten.
Nach Angaben des europäischen Landwirtschaftschefs beträgt der Agrarexport der Europäischen Union in die drei am Konflikt beteiligten Länder – Russland, Weißrussland und Ukraine – 10,5 Milliarden Euro Umsatz, die Einfuhren belaufen sich auf 8 Milliarden Euro. Dies entspricht sechs Prozent des EU-Handels. Wojciechowski nennt die Zahlen zwar wichtig, sieht sie aber nicht als entscheidend für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit in Europa an.
Wojciechowski wird am Mittwochnachmittag (2. März) in einer Videokonferenz die 27 Landwirtschaftsminister in einem informellen Treffen informieren, ebenso wie Anfang dieser Woche das Landwirtschaftskomitee des Europäischen Parlaments unterrichtet wurde.
Die Auswirkungen sind vor allem für die acht Nachbarländer groß, die die stärksten Folgen des Konflikts zu spüren bekommen werden: Polen, die baltischen Staaten, Finnland, die Slowakei, Ungarn und Rumänien. Die wichtigsten europäischen Agrarproduzenten wie Frankreich und Deutschland werden ihm zufolge weniger betroffen sein.
Der niederländische Landwirtschaftsminister Henk Staghouwer erklärte in einem Schreiben an das Parlament, dass die Besprechung auch dazu dienen solle, Maßnahmen zu benennen, die innerhalb der EU ergriffen werden müssen, auch in Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen wie der FAO und der OECD. Er wies darauf hin, dass bei dem Treffen noch keine konkreten Beschlüsse gefasst werden sollen.
Wojciechowski wies Gerüchte zurück, dass die neue Agrarpolitik und die Ernährungsstrategie wegen des Kriegs in der Ukraine überarbeitet werden müssten. Seiner Meinung nach stellt die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) einen sehr guten Kompromiss zwischen Umweltschützern und Landwirten dar, die Einschränkungen befürchteten.
Ich glaube nicht, dass die neue GAP zu einem Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion führen wird. Im Gegenteil, bestimmte Maßnahmen könnten zu ihrer Weiterentwicklung beitragen, sagte der EU-Kommissar gegenüber Reportern bei einem Besuch auf einer französischen Agrarmesse.

