Der europäische Agrardachverband Copa-Cogeca hat die EU-Energieminister dazu aufgerufen, die Lebensmittelversorgung im Blick zu behalten. Bei einer dringenden Beratung in Brüssel diskutieren sie die Energiekrise aufgrund der hohen Energie- und Rohstoffpreise infolge des russischen Kriegs gegen Ukraine.
Der Verband der Bauern- und Genossenschaftsverbände fordert die EU zu niedrigeren Energiepreisen und Priorität für Lebensmittelunternehmen bei drohendem Gasmangel auf. Ein großer Teil der Produktion von Kunstdünger liegt bereits still. Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe in der Lebensmittelkette kämpfen mit extrem hohen Gas- und Strompreisen.
Die Energiepreise sind in diesem Jahr aufgrund des Kriegs von Wladimir Putin in der Ukraine stark gestiegen, bei dem Russland als Vergeltung für westliche Sanktionen die Gasströme nach Europa reduziert hat.
Copa-Cogeca und FoodDrink Europe weisen darauf hin, dass sie bereits früher um Unterstützung und Subventionen für Lebensmittelunternehmen gebeten haben. „Die jüngsten Anstiege der Energiepreise bedrohen die Kontinuität der Produktionszyklen in der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft“, erklärten sie vor dem Treffen der EU-Energieminister in Brüssel.
Tschechien als derzeitiger EU-Vorsitzender lässt inzwischen durchblicken, dass es beabsichtigt, Ernährungssicherheit im kommenden Halbjahr zum wichtigsten Schwerpunkt zu erklären. Der tschechische Landwirtschaftsminister Zdenek Nekula hat für den informellen Agrarrat am 16. September in Prag ein Diskussionspapier zu seinen Prioritäten für das kommende Halbjahr vorgelegt.
Nekula ist Mitglied der Tschechischen Volkspartei (KDU-CSL), die im Europäischen Parlament der Europäischen Volkspartei zugeordnet ist. Anfang dieses Jahres, als frisch ernannter Minister, sagte er noch, dass ländliche Entwicklung und die kleinen Bauernbetriebe das Thema seines EU-Vorsitzes sein würden und dass er einen neuen nationalen Strategieplan aufstellen wolle.
Durch den russischen Krieg, stockende Lebensmittelexporte und explodierende Energiepreise in Europa hält er nun die Ernährungssicherheit und eine größere Unabhängigkeit von Russland für die vorrangigen Ziele der EU-Länder, so berichten Quellen aus seinem Ministerium in Prag.

