Der Agrarausschuss des Europäischen Parlaments lehnt die Vorschläge der Europäischen Kommission zur Halbierung chemischer Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft ab. Laut vielen Abgeordneten des Europaparlaments weist der Plan erhebliche Mängel auf.
Nach Ansicht von Agrar-Ausschussvorsitzendem Norbert Lins ist allerdings noch unklar, ob sich die EU-Kommissare daran stören werden, da der umstrittene Vorschlag von dem ENVI-Umweltausschuss bewertet werden muss. Und genau dieser Parlamentsausschuss will „weniger Chemie im Grünen“.
In der ersten Sitzung nach der Sommerpause und nach der Präsentation (Ende Juni) der Naturschutzpläne wiederholte der Agrarausschuss die Einwände, die bereits seit dem vergangenen Jahr gegen die Kunstdüngerpläne im Rahmen von „Vom Hof zum Teller“ vorgebracht werden. Diese Bedenken stammen vor allem aus den zunehmend Mitte-rechts stehenden Fraktionen, während Grüne und Linke der agrarischen Lobby vorwerfen, die Risiken für Gesundheit, Biodiversität und Bodenqualität zu ignorieren.
Der niederländische Europaabgeordnete Bert-Jan Ruissen (SGP) erklärte, dass die EU-Kommissare mit ihrem „Vom Hof zum Teller“-Plan „zurück an den Reißbrett“ müssten. Seiner Meinung nach habe sich in dem letzten Jahr seit der Vorstellung der F2F-Pläne weltweit vieles verändert.
Auch andere Europaabgeordnete weisen auf gravierende Folgen des russischen Kriegs in der Ukraine, die westlichen Sanktionen gegen Russland, die neue Energiepolitik und die drohende Wirtschaftskrise in der EU hin.
Der Agrar-Topbeamte Michael Scannell betonte, dass es in der EU keinen Nahrungsmittelmangel gebe, die Ernährungssicherheit nicht gefährdet sei und es weltweit kein Exportproblem gäbe, sondern höchstens ein Transportproblem. Zudem müsse die Halbierung der schwerwiegendsten Kategorie von Chemikalien nicht sofort und auf einen Schlag, sondern verteilt über einen Zeitraum von etwa sieben bis acht Jahren erreicht werden.
Die Europaabgeordnete Annie Schreijer-Pierik (CDA) fordert, dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Initiative ergreifen und aus der neuen drohenden Lage eine „Chefsache“ machen sollte. Agrar-Vorsitzender Norbert Lins erklärte, dass die informelle Beratung der Landwirtschaftsminister (14. – 16. September) in Prag ganz im Zeichen der neuen Landwirtschafts- und Energiesituation stehen werde.

