Die vorgeschlagenen sogenannten Omnibus-Anpassungen stärken die Position der Bauern in der Lebensmittelkette, indem viele bürokratische Regeln in der Gemeinsamen Agrarpolitik gelockert und andere Verfahren sowie Kontrollen abgeschafft werden. So sollen unter anderem verschiedene Klima- und Umweltmaßnahmen aus dem Green Deal zurückgenommen werden.
Die niederländische Europaabgeordnete Jessika van Leeuwen (BBB) nannte die Zustimmung einen wichtigen Sieg für die Bauern, die im vergangenen Jahr massenhaft auf die Straße gingen, um Gehör zu finden. BBB habe sich für faire Verträge und weniger Bürokratie eingesetzt, und heute sehe man die Früchte dieser Arbeit, sagte sie.
Der niederländische Grünen-Politiker Bas Eickhout sagte, das Europaparlament habe den Vorschlag „in einen Angriff auf die Natur umgebaut“. Er kritisierte die Abschaffung von Umweltkriterien bei der Vergabe von Agrarsubventionen. „Das ist schon wieder das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Rechts mit radikalem Rechts, bei der die Natur zum Opfer fällt. Die Natur wird bedenkenlos ausgequetscht, um die Produktion noch etwas zu steigern.“
Über den nun in Straßburg erweiterten Vorschlag muss noch mit den 27 Regierungen verhandelt werden, was später in diesem Jahr geschieht. Viele EU-Länder stimmen mit der Agrarlobby in Brüssel überein, doch es ist noch ungewiss, ob es eine ausreichende Mehrheit für zusätzliche Lockerungen geben wird.
Die Europaabgeordneten legten außerdem fest, dass es strengere Regeln für die Kennzeichnung von Lebensmitteln geben muss. Vor fünf Jahren hatte das Parlament beschlossen, dass Begriffe in der Milchindustrie wie „Joghurt“, „Milch“ oder „Sahne“ nicht mehr für Produkte ohne tierische Milch verwendet werden dürfen.
Diesmal sind die Fleischetiketten an der Reihe. Bei veganen Lebensmitteln und Kultiviertem Fleisch dürfen künftig keine Bezeichnungen mehr verwendet werden, die die Worte Fleisch, Wurst oder Burger enthalten. Das hatte das Europaparlament bereits 2020 beschlossen, doch viele EU-Länder fanden das damals zu weitgehend.
Zudem sind sich die zwei größten Fraktionen im Europaparlament weiterhin einig, dass bei den EU-Agrarsubventionen weniger eingespart werden sollte. Im Juli stellte die Europäische Kommission ihren Vorschlag für den Haushaltszyklus 2028 bis 2034 vor. Dieser Vorschlag sieht eine Zusammenlegung von Agrar- und Regionalausgaben der EU in nationale Pläne vor, was bei der Agrarlobby in Brüssel große Unzufriedenheit hervorruft. Vor allem der einflussreiche Agrarausschuss des Europaparlaments fühlt sich außen vor gelassen.
Zwar haben das Europäische Parlament und die 27 EU-Länder bereits einem übergeordneten neuen Mehrjährigen Finanzrahmen zugestimmt, doch über die detaillierten Haushalte pro Jahr und Politikbereich beginnen nun die Verhandlungen. Das vollständige Agrarbudget für 2026 muss einstimmig von den EU-Ländern und dem Parlament genehmigt werden. In beiden Fällen werden lange und schwierige Verhandlungen erwartet.

