Das Europäische Parlament hätte noch ein Verbot für diese brasilianischen Importe festlegen können, doch zum Zeitpunkt der Abstimmung am Donnerstagnachmittag waren bereits zu viele Abgeordnete auf dem Weg in ihre Heimatländer.
Die Europäische Kommission hatte einem Antrag des Chemiekonzerns BASF zugestimmt, geringfügig mit Fipronil belastete brasilianische Produkte wie Zuckerrohr und Geflügel zuzulassen. Brüssel hatte sogar die zulässigen Mindestkriterien vervierfacht.
Das Europäische Parlament versuchte noch, die Lockerung der Einfuhrregeln zu verhindern. Am Donnerstag unterstützte eine Mehrheit (317 dafür, 148 dagegen) einen Einspruch der Europaabgeordneten Anja Hazekamp (Partei für die Tiere), um die Einfuhr brasilianischer Produkte mit Fipronilrückständen doch noch zu unterbinden.
Obwohl eine breite Mehrheit den Einspruch unterstützte, setzt sich die Lockerung auffälligerweise trotzdem durch: Zum Zeitpunkt der Abstimmung befanden sich bereits zu viele Abgeordnete auf dem Heimweg, sodass der Einspruch keine verbindliche Wirkung entfalten konnte. Um eine Entscheidung der Europäischen Kommission („delegated act“) zurückzunehmen, ist – unabhängig von der Anwesenheit – die Zustimmung von der Hälfte der 705 Abgeordneten nötig: 353 Ja-Stimmen.
In einer Mitteilung an das Europaparlament wurde darauf hingewiesen, dass damals in den Niederlanden eine Million Hühner nach einer Fipronil-Belastung getötet werden mussten und dass es absurd wäre, nun bei importierten Produkten mit dieser Verunreinigung ein Auge zuzudrücken.
Hazekamp wies außerdem darauf hin, „dass es immer öfter vorkommen wird, dass die EU Produkte mit niedrigeren Anforderungen an Lebensmittelsicherheit sowie Umwelt- und Tierschutz importiert, je mehr Freihandelsabkommen mit Drittländern abgeschlossen werden“. Ihrer Ansicht nach ist die Akzeptanz von Fipronil-Fleisch aus Brasilien „nur eine Kostprobe dessen, was uns erwartet, wenn das Mercosur-Abkommen Realität wird“.
Aufgrund der Sitzungsprozesse in Straßburg kam es jedoch zu keiner erfolgreichen Abstimmung über ein Verbot. Üblicherweise finden in der Plenarwoche Abstimmungen vor allem am Dienstag und Mittwoch statt, während am Donnerstag vornehmlich Debatten zu internationalen (Auslands-)Fragen geplant sind.
Dass jetzt auch am Donnerstag Abstimmungen abgehalten werden, hängt unter anderem mit der Sitzungsdichte vor dem Beginn des Europawahlkampfs zusammen: Es werden zusätzliche Sitzungswochen eingelegt und die Tagesordnungen zugeschoben.
Viele Europaabgeordnete nutzen diesen letzten (Donnerstags-)Sitzungstag bereits für die Rückreise in ihr jeweiliges EU-Land. Die Antragsteller des Einspruchs hatten diese Entwicklung bereits geahnt und das Präsidium gebeten, die Abstimmung auf Mittwoch vorzuziehen. Dies wurde jedoch abgelehnt.
So waren bereits rund zweihundert EU-Politiker auf dem Weg zum Zug oder Flugzeug, und das Fipronil-Verbot scheiterte mit 317 Stimmen (etwa 36 zu wenig), 148 Gegenstimmen und 77 Enthaltungen.

