Das Europäische Parlament fordert, dass Afghanen, die in ihrem Land in humanitärer Not sind, einfacher in die Europäische Union kommen können. So sollen auch spezielle Visa für Frauen eingeführt werden sowie humanitäre Korridore für Fluchtrouten in angrenzende Nachbarländer.
Es geht auch um Unterstützung für politische Opponenten der Taliban und Afghanen, die für EU-Staaten oder ausländische Missionen gearbeitet haben, so eine Pressemitteilung des Verbindungsbüros des EP in Niederlande.
Die Mehrheit der gefährdeten Afghanen wird voraussichtlich in Auffanglager in der Region fliehen, etwa in den Nachbarländern Iran, Pakistan und Tadschikistan. Für sie müssen humanitäre Korridore von und zur afghanischen Grenze geschaffen werden. Die EU-Staaten müssen die aufnehmenden Nachbarländer auch beim Verteilen von Nahrung, Wasser und Medikamenten sowie beim Aufbau sanitärer Einrichtungen unterstützen.
Es war schon seit einiger Zeit in einigen EU-Ländern, darunter den Niederlanden, üblich, abgelehnte afghanische Asylbewerber zurück nach Afghanistan zu schicken, da es dort wieder sicher sein sollte. Aufgrund der Machtübernahme der Taliban will das Europaparlament jedoch, dass EU-Staaten Asylanträge von Afghanen neu bewerten.
Dies gilt auch für abgelehnte Afghanen, die sich noch in der EU aufhalten. Zumindest dürfen EU-Staaten, die derzeit nicht zwangsweise abschieben, dies nach Ansicht der Mehrheit des Europäischen Parlaments weiterhin tun.
„Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen, müssen so schnell wie möglich und möglichst nah an ihrer Heimat aufgenommen werden, aber die internationale Gemeinschaft, einschließlich der Europäischen Union, muss bereit sein, die Länder rund um Afghanistan zu unterstützen“, sagt der CDA-Europaabgeordnete Jeroen Lenaers. Er fordert, dass die EU dafür schnell viel zusätzliches Geld bereitstellt. „Mit nur hundert Millionen kommen wir nicht aus.“
Der Abzug der amerikanischen und internationalen Streitkräfte aus Afghanistan ist ein Zeichen für das gemeinsame Scheitern der Politik und Strategie des Westens im Bereich Außenpolitik und Sicherheit, stellten Europaabgeordnete fest. Daraus müssen ernsthafte Lehren gezogen werden. Dieses Scheitern kommt nicht-westlichen Mächten und afghanischen Nachbarländern wie Pakistan, China und Russland zugute.

