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‚Mo‘ Chahim (PvdA) kritisiert große Rolle der Landwirtschaftslobby in der Europäischen Union

Iede de VriesIede de Vries
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Der niederländische Europaabgeordnete Mohammed Chahim (PvdA) hält die agrarische Kritik an den angekündigten Plänen zur Halbierung des Einsatzes von Pestiziden in der Landwirtschaft für „stark übertrieben, größtenteils falsch und nicht zielführend“.

Damit widerspricht er den Forderungen der EVP-Christdemokraten in Brüssel, die im Juni vorgestellten Natur- und Bio-Vorschläge zurückzuziehen.

Mohammed Chahim kritisiert auch den großen Einfluss der Agrarlobby in Brüssel. Er bezeichnet diese als eine der bestorganisierten Interessengruppen in Brüssel. Als umweltpolitischer Sprecher der S&D-Sozialdemokraten ist er der Ansicht, dass die Landwirtschaft die Energie- und Klimakrise als Chance zur Beschleunigung der ökologischen Transformation nutzen sollte, statt sie zu bremsen.

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„Ich bin da absolut anderer Meinung. Schon seit Jahren hört man, dass wir anders mit dem Planeten und unserer Lebensweise umgehen müssen. Auch immer mehr junge Landwirte, Menschen vom Land und Verbraucher sehen, dass ein 'Weiter-so' nichts voranbringt. In diesem Sinne liegt ‚mehr biologisch‘ viel näher als ‚mehr chemisch‘.

Aber fast alle Experten und Fachleute haben massenhaft Kritik und Kommentare. Sie sagen, eine Halbierung sei nicht möglich ...

„Die europäischen Bauern sollten genau darauf achten, wessen Interessen sie vertreten. Hier in Brüssel höre ich vor allem die gut geschulten Lobbyisten der chemischen Industrie, die dem Landwirt nur noch mehr Mittel aufzwingen wollen. Den Bauern aus Budel höre ich hier nicht.“

Aber dieser Bauer aus Budel oder Lunteren möchte doch wissen, wie seine Perspektive aussieht ...

„Gerade deshalb sollten sie ihre eigene Perspektive im Auge behalten und nicht die der chemischen Industrie. Vielleicht sollten wir in Niederlande den Landwirtschaftsberater wieder einführen: einen eigenen Berater direkt beim Landwirt vor Ort. Und diese Idee von Remkes, so etwas wie eine Art Landwirtschaftskammer wieder einzurichten, ist vielleicht gar nicht so schlecht.“

Aber alle Studien sagen doch, dass weniger Chemikalien zu geringerer Produktion und zu weniger Landwirteinkommen führen?

„Ist es denn eine Schande, wenn durch weniger Landwirtschaft etwas weniger Nahrungsmittel produziert werden? Darf ich darauf hinweisen, dass die Welt bereits 130 Prozent des Nahrungsmittelbedarfs produziert? Nur: Wir produzieren es in den ‚falschen‘ Weltregionen und bekommen es anscheinend nicht rechtzeitig an den richtigen Ort. Und darf ich auch darauf hinweisen, wie viel Essen täglich verschwendet und weggeworfen wird?“

Aber was sagen Sie zu dem Argument, dass ‚weniger Chemikalien zu weniger Produktion führen, bei gleichbleibender Nachfrage also zu höheren Lebensmittelpreisen‘?

„Vorab möchte ich klarstellen, dass ich es für wichtig halte, dass der Landwirt einen angemessenen Preis für sein Produkt erhält. Und dass der Kunde nicht unnötig viel dafür zahlen muss. Deshalb müssen wir über die Preisbildung in der gesamten Kette sprechen; also auch bei Rohstoffen, Großhandel, Transport, Verpackung, und bei allen, die momentan stark an der Arbeit des Landwirts verdienen.“

„Ein Brokkoli für 1 Euro bringt dem Landwirt als Produzenten nur 3 bis 5 Cent ein. Und so ist das bei vielen Produkten, die der Landwirt herstellt; das ist nicht gerecht und genau daran müssen wir etwas ändern.“

„Wenn ich dann sehe, wie viele Millionen bzw. Milliarden von diesen Nicht-Produzenten verdient werden, sollten wir genau dort anfangen. Und nicht sofort drohen, die Kosten auf den Einkaufswagen an der Ladenkasse abzuwälzen.“

Aber ist das nicht Wunschdenken? Der Ladenbesitzer wird doch nicht den Landwirt entscheiden lassen, wie viel er für einen Liter Milch oder einen Blumenkohl auf einem Hähnchenschenkel verlangen darf?

„Schauen Sie mal nach Deutschland. Dort hat der ehemalige Minister Borchert vorgeschlagen, die gesamte Kette bei der Modernisierung der Landwirtschaft und (vor allem!) der Tierhaltung mit einzubeziehen. Ein noch besseres Beispiel ist das wahrscheinlich bald geltende Egalim-Gesetz in Frankreich. Dort gibt es einen von der Regierung organisierten ‚Vertrag‘ zwischen Produzenten, Verarbeitern, Händlern und Verkäufern. Vielleicht sollten wir uns das einmal ansehen. Vielleicht könnte Remkes mit so einem deutschen oder französischen Borchert einmal sprechen.“

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Dieser Artikel wurde von Iede de Vries geschrieben und veröffentlicht. Die Übersetzung wurde automatisch aus der niederländischen Originalversion generiert.

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