Die Europäische Union kann nach wie vor nicht verhindern, dass EU-Agrarsubventionen missbraucht werden. Einige Länder verweigern den Einblick in ihre Verwaltung, und auch in den Buchhaltungssystemen in Brüssel gibt es Lücken.
Der Haushaltskontrollausschuss des Europaparlaments kritisiert das Wachstum „oligarchischer Strukturen“ in einigen EU-Ländern „in einem bisher unbekannten Ausmaß“.
Mitglieder des EP sind insbesondere besorgt, dass die EU de facto nur „sehr begrenzt“ die Vergabe von Subventionen aus Brüssel kontrollieren kann. Dies ist hauptsächlich auf mangelnde Zusammenarbeit zwischen den nationalen Behörden und inkonsistente Berichterstattung zurückzuführen.
So gibt es aktuell 292 Berichtssysteme für die EU-Agrar- und Kohäsionsfonds. Diese große Anzahl erschwert es, einen Überblick über die Empfänger und die Höhe der an sie gezahlten EU-Mittel zu erhalten.
Die ungleiche Auszahlung von EU-Agrarfonds in Bulgarien, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Rumänien wird ebenfalls als „sehr problematisch“ beschrieben. Als konkretes Beispiel wird der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán genannt. Er wird beschuldigt, Agrarsubventionen an seinen „engen Kreis“, seine politischen und geschäftlichen Freunde, zu verteilen.
Der AGRI-Agrarausschuss des Europaparlaments begrüßt den Vorschlag ihrer BUDG-Kontrollkollegen, jährlich pro EU-Land die fünfzig größten Empfänger von GAP-Subventionen zu erfassen. Die EU-Länder könnten zudem deutlich mehr Strafverfahren gegen notorische Missbrauchsfälle einleiten, meinen die EU-Politiker.
Den EU-Buchhaltern wird außerdem geraten, festzuhalten, wer die „Endnutzer“ der Subventionen sind. So könnte nachvollzogen werden, ob die Subventionen bei Grundeigentümern oder Vorstandsgremien landen oder direkt beim landwirtschaftlichen Betrieb. In diesem Punkt gibt es laut dem AGRI-Kommentar noch erheblichen Verbesserungsbedarf.

