Der ukrainische stellvertretende Landwirtschafts- und Ernährungsminister Markian Dmytrasevits wird am Montag im Europäischen Parlament für eine Beschleunigung und Ausweitung der Getreidekorridore eintreten, da Russland mit einer Nichtverlängerung des Getreideabkommens für das Schwarze Meer droht.
Das Europaparlament führt in Brüssel eine Anhörung über die Folgen des Krieges in Ukraine und über die Ernährungssicherheit in der EU durch.
Nach Angaben des Vorsitzenden des ukrainischen Agrargeschäftsverbands (UCAB), Alex Lissitsa, ist im nächsten Jahr mit einem Rückschlag beim Export von Getreide und Ölsaaten zu rechnen. Aufgrund der russischen Aggression könnten bis zu zehn Prozent des weltweiten Exports von Winterweizen vom Weltmarkt verschwinden, sagte Lissitsa diese Woche auf einem Agrarforum in Berlin.
In einem Treffen mit dem Vorsitzenden des Deutschen Bauernverbands (DBV), Joachim Rukwied, schilderte der ukrainische Agrarökonom, wie die Bewirtschaftung des Ackerlandes auf seinem 120.000 Hektar großen Betrieb durch die anhaltenden Beschießungen der russischen Angreifer erschwert wird. Lissitsa zufolge werden etwa 15 Milliarden Euro an Investitionskapital benötigt, um die nächste Saatperiode zu sichern. Es ist jedoch unklar, woher dieses Geld kommen soll.
Die Europaabgeordneten der Ausschüsse für Landwirtschaft, Umwelt und Internationalen Handel hatten bereits umfangreiche EU-Unterstützungsmaßnahmen für die Inbetriebnahme ukrainischer Exportkorridore über polnisches Territorium zu Häfen an der Ostsee gebilligt. Auch wird mehr provisorische Lagerkapazität benötigt,
Hohe UN-Beamte verhandeln mit Russland über die Verlängerung und Ausweitung des Abkommens, das nächsten Monat auslaufen könnte, falls keine Einigung erzielt wird. Die Gespräche über eine Verlängerung kommen nicht sehr voran, sagte der russische UN-Botschafter in Genf am Donnerstag.
Er wiederholte die Position Moskaus, dass westliche Sanktionen den Export von russischem Getreide und Kunstdünger selbst in arme Länder, die diese Vorräte benötigen, behinderten.

