Der ukrainische Vize-Minister Markian Dmytrasevych erklärt, dass die Ukraine nicht nur dringend mehr Getreide-Exportwege über Land benötigt, sondern auch Generatoren zur Stromerzeugung. Da die Russen die Kraftwerke bombardieren, ist ein großer Teil des ländlichen Raums ohne Strom. Dadurch fallen Kühlanlagen und verschiedenste andere Geräte aus, insbesondere in der Viehzucht und Geflügelhaltung.
Vize-Minister Dmytrasevych hat die Europaabgeordneten des Landwirtschaftsausschusses zudem gebeten, dauerhafte Exporte über Land zu ermöglichen. Seiner Aussage zufolge kann die Ukraine nicht auf verlässliche Exporte über das Schwarze Meer zählen, da Russland droht, das Schwarze-Meer-Abkommen nicht zu verlängern. Über Odessa wurden bisher 3,9 Millionen Tonnen Getreide zu ausländischen Märkten transportiert.
Derzeit warten mehr als hundert leere und geladene Getreideschiffe vor ukrainischen Häfen auf internationale Inspektionen. Durch die Verzögerungen konnte die Ukraine bisher 3 Millionen Tonnen Getreide weniger exportieren als erwartet. Dies reicht aus, um 10 Millionen Menschen zu ernähren.
Daher bittet die Ukraine die EU, die Exportkorridore nicht nur durch den Schienenverkehr, sondern vor allem auch über Straßen zu erweitern. Die derzeitige Methode mit der Bahn, inklusive mehrfachem Umladen und Lagern, ist zeitaufwendig und sehr kostenintensiv. Die Transportkosten, die früher bei 40 US-Dollar pro Tonne lagen, sind nun auf 200 US-Dollar pro Tonne gestiegen, sagte der Vize-Minister.
Die ukrainische Regierung bittet auch um europäische Unterstützung beim Bau einer Pipeline zur (nord-)polnischen Ostseeküste für den Transport von Sonnenblumenöl. Zudem benötigt das Land Hilfe bei der Räumung von Gebieten, die von den Russen geräumt wurden.
Für den Wiederaufbau der Ukraine ist eine Strategie erforderlich, die mit dem Marshall-Plan nach dem Zweiten Weltkrieg vergleichbar ist. Dies erklärten der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach einer Geberkonferenz in Berlin. Die Ukraine wird nächstes Jahr monatlich etwa 1,5 Milliarden Euro von der Europäischen Union erhalten, um die laufenden Kosten des Landes bezahlen zu können.

