Verpflichtende Verträge sind in mehreren skandinavischen und nord-europäischen Ländern bereits üblich, da die Milchbauern ihre Milch über Genossenschaften und Kollektive vermarkten, wodurch sie nicht gegeneinander ausgespielt werden können.
Nachträglich
In vielen osteuropäischen und südeuropäischen Ländern hingegen ist der Milchmarkt in der Hand von ein oder zwei großen aufkaufenden Milchverarbeitern, oft privatisierten ehemaligen Staatsunternehmen. Dort müssen die Bauern abwarten, was sie am Ende des Jahres für ihre gelieferte Milch erhalten. EU-Länder werden künftig verpflichtet sein, rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen und diese auch online zu veröffentlichen, damit sie für vertragliche Vereinbarungen genutzt werden können.
Kleine Bauern
Die französische Europaabgeordnete Céline Imart (EVP), die Berichterstatterin zu diesem Thema war, erklärte, dass viele kleine Bauern in einigen ehemaligen Ostblockstaaten sich weiterhin in einer unhaltbaren Lage befinden, obwohl ihre Länder längst Teil der EU sind. Sie wies darauf hin, dass es dadurch faktisch immer noch kein „level playing field“ in der europäischen Milchindustrie gebe.
Promotion
Am Dienstag stimmte das Europäische Parlament in Straßburg einer sogenannten Milch- und Lebensmittel-Omnibus-Richtlinie zu, um die Unternehmerposition von Lebensmittelherstellern zu stärken. Dabei ging es vielfach um einkommensbezogene Aspekte, aber auch um die Verbesserung ihrer Position in der Lebensmittelkette „vom Bauernhof bis zum Teller“.
Fleisch und Laborfleisch
Es wird nicht nur mehr Klarheit über die Auswirkungen landwirtschaftlicher Produkte geben, sondern auch über verschiedene Fleischarten. Das Europaparlament definiert Fleisch künftig als „essbare Teile von Tieren“ und will eine Liste mit Begriffen einführen, die ausschließlich für Fleischprodukte vorgesehen sind.
So wird zwischen echtem Fleisch und Laborfleisch unterschieden, das im Labor oder künstlich aus Zellen gezüchtet wird. Das soll klarer machen, was Laborfleisch und was tierisches Fleisch ist. Die neuen Regeln klären außerdem die Verwendung der Begriffe „ehrlich“ und „fair“ in der Produktion landwirtschaftlicher Produkte.
Etiketten
Es werden auch Kriterien eingeführt, unter denen „regionale Kennzeichnung“ erlaubt ist. Wenn ein Produkt zum Beispiel zur Entwicklung einer Region oder des ländlichen Raums beiträgt oder Werbung für eine Bauernorganisation macht, darf dies künftig auf dem Etikett stehen.

