Das Flandrische Institut für Land- und Gartenbau hat unter belgischen Züchtern und Viehhaltern eine neue Warnung bezüglich der tödlichen Gefahren von Güllegasen verbreitet.
Am Mittwoch kamen in Ploegsteert ein Ehepaar durch Vergiftung mit Güllegasen ums Leben. Ein technischer Defekt an der Belüftung könnte der Ursache des Unfalls zugrunde liegen. Schon das Einatmen bestimmter Gase, die aus Gülle entweichen, kann tödlich sein.
Der Schweinezuchtbetrieb wurde seit vielen Jahren von dem Schweinezüchter und seiner Ehefrau geführt, berichtet VILT. Am Mittwoch arbeiteten sie in den Ställen, als plötzlich eine große Menge Ammoniak freigesetzt wurde, möglicherweise durch einen technischen Defekt der Belüftung.
Beim Umgang mit flüssiger Gülle entstehen gefährliche Gase. Einige Gase sind schwerer als Luft, weshalb sie unter den Gittern in der Güllegrube verbleiben, selbst wenn die Luke mehrere Tage geöffnet war. Außerdem sind die Gase häufig geruchs- und/oder farblos, was eine Erkennung erschwert. Bei großen Konzentrationen von Cyanwasserstoff und Schwefelwasserstoff kann schon ein einziger Atemzug tödlich sein. In einem solchen Fall kommt jede Hilfe zu spät, und Helfen ist sogar lebensgefährlich.
"Zwei Drittel der tödlichen Opfer von Unfällen mit Güllegasen sind Helfer. Oft sind es Familienmitglieder, die das Opfer finden, und dann ist es besonders schwer, nicht selbst in die Grube, den Stall oder den Tank zu gehen. Aber tun Sie es nicht, holen Sie Hilfe statt selbst zu helfen", ist einer der wichtigsten Ratschläge von Robin De Sutter (Prevent Agri).
Weiterhin sind Kenntnisse über Risikosituationen und das Verständnis zur Entstehung der Gase wichtig. Vorsichtsmaßnahmen sind unter anderem ausreichende Belüftung (nicht nur einige Stunden, sondern mindestens einen Tag), das Bereithalten einer zweiten, sachkundigen Person mit klaren Anweisungen (die den Raum nicht betreten darf) sowie das Bereitstellen einer unabhängigen Atemluftquelle, wird geraten.
Weitere gefährliche Situationen entstehen beim Mischen oder Pumpen der Gülle. Dabei können sich aufgestaute Gase in kurzer Zeit freisetzen. Bleiben Sie also während der Arbeiten nicht in der Nähe und halten Sie Rinder in sicherer Entfernung fest: Diese können bewusstlos auf den Gittern zusammenbrechen und dadurch die Zufuhr frischer Luft vollständig blockieren, erklärt De Sutter.
Außerdem weist er darauf hin, dass selbst gereinigte, abgeschlossene Güllegruben noch Gase enthalten. Diese entweichen aus den Poren des Betons. Gleiches gilt für offene Güllesilos, denn einige Gase sind schwerer als Luft und „verfliegen“ daher nicht. Schließlich seien laut VILT auch Biogasanlagen, septische Gruben und Wasserbrunnen gefährlich.

