Seit Jahren nutzen Landwirte in England und Wales das Sediment aus Kläranlagen, um ihre Felder und Weiden zu düngen. Das Material ist günstiger als Kunstdünger und Pestizide und bietet damit eine attraktive Alternative in Zeiten steigender Kosten. Jährlich werden Millionen Tonnen davon auf dem Land ausgebracht.
In diesen Rückständen wurden erhebliche Mengen chemischer Stoffe festgestellt, darunter Schwermetalle, Mikroplastik und sogenannte PFAS, die für ihre Beständigkeit bekannt sind. Diese Stoffe verschwinden nicht von selbst aus der Umwelt, sondern häufen sich im Boden an und können über Pflanzen in die Nahrungskette gelangen.
Ein großes Problem besteht darin, dass die Verschmutzung sich nicht nur auf landwirtschaftliche Flächen beschränkt. Durch Regen und Auswaschungen gelangen die Stoffe auch in Oberflächengewässer. Untersuchungen zeigen, dass Flüsse und Bäche zunehmend mit diesen Rückständen belastet werden, was die bestehende Wasserverschmutzung weiter verschärft.
Ärzte und Umweltorganisationen warnen davor, dass die Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung schwerwiegend sein können. Sie weisen auf Zusammenhänge zwischen langfristiger PFAS-Exposition und Gesundheitsproblemen, darunter bestimmte Krebsarten, hin. Zudem betonen sie, dass die derzeitige Politik einem groß angelegten Experiment gleichkommt, bei dem die Risiken nicht ausreichend erfasst wurden.
Britische Landwirte verteidigen ihre Entscheidung mit der wirtschaftlichen Realität. Für viele landwirtschaftliche Betriebe ist der günstige Klärschlamm die einzige erschwingliche Möglichkeit, ihr Land produktiv zu halten. Sie betonen, dass der Gebrauch offiziell erlaubt ist und sie innerhalb der bestehenden Regeln handeln. Gleichzeitig erkennen einige Landwirte an, dass sie von einem System abhängig sind, dessen Folgen erst langfristig deutlich werden.
Die britische Regierung hat mittlerweile auf die wachsende Kritik reagiert. Es wurden Pläne angekündigt, die Vorschriften für die Nutzung von Klärschlamm zu verschärfen. Vorgesehen sind strengere Kontrollen der Zusammensetzung, intensivere Überwachung der Auswirkungen und gegebenenfalls das Verbot bestimmter schädlicher Stoffe.

