Der Vorschlag zur Bovaer-Kennzeichnung wurde von der linken Oppositionspartei Alternativet eingebracht und wird von der dänischen Tierschutzorganisation sowie von einigen Landwirten unterstützt, die dem aktuellen Umwelt- und Klimapolitik skeptisch gegenüberstehen.
Es ist noch unklar, ob der Alternativet-Vorschlag im Parlament genügend Unterstützung findet. Das Ergebnis dieser Debatte kann wichtige Auswirkungen auf die Zukunft der dänischen Milchviehhaltung sowie auf die Art und Weise haben, wie Umweltinnovationen umgesetzt und der Öffentlichkeit kommuniziert werden.
Bovaer ist ein Futtermittelzusatzstoff für Milchkühe, um ihre Methanemissionen zu reduzieren. Methan ist ein starkes Treibhausgas, und besonders die Viehzucht ist ein bedeutender Verursacher. Durch die Verwendung von Bovaer kann die Methanproduktion im Magen der Kühe erheblich verringert werden, was zur Bekämpfung des Klimawandels beiträgt.
Kritiker argumentieren, dass eine verpflichtende Kennzeichnung unnötig sei und weisen darauf hin, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Bovaer gesundheitsschädlich für Mensch oder Tier ist. Sie betonen, dass der Zusatzstoff gründlich getestet und von den zuständigen dänischen und europäischen Behörden zugelassen wurde. Zudem könnte eine verpflichtende Angabe auf Milchverpackungen Verbraucher unnötig beunruhigen und den Eindruck erwecken, dass mit der Milch etwas nicht in Ordnung sei, obwohl dies nicht der Fall ist.
Auf der anderen Seite setzt sich Alternativet für mehr Transparenz gegenüber den Verbrauchern ein. Sie sind der Ansicht, dass Verbraucher das Recht haben, zu wissen, welche Zusatzstoffe bei der Herstellung ihrer Lebensmittel verwendet wurden, um eine informierte Wahl treffen zu können. Die Partei vertritt die Auffassung, dass eine solche Kennzeichnung zur Offenheit und zum Vertrauen zwischen Produzenten und Verbrauchern beiträgt.
Minister Jensen reagierte kürzlich im Fernsehen darauf mit der Aussage, „dass wir auch nicht auf das Etikett schreiben, dass Gras in der Milch enthalten ist“.
Der dänische Tierschutz äußerte Bedenken bezüglich der Verwendung von Bovaer. Er weist darauf hin, dass noch keine Studien zu den langfristigen Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden der Kühe vorliegen. Einige Milchviehhalter stehen Bovaer ebenfalls skeptisch gegenüber und sorgen sich um mögliche Auswirkungen auf ihre Tiere sowie um die zusätzlich entstehenden Kosten.
Trotz der Bedenken gibt es auch positive Erfahrungen mit der Nutzung von Bovaer. Ein dänischer Milchviehhalter, der an einem Pilotprojekt mit Bovaer teilgenommen hat, berichtete von keinen negativen Effekten bei seinen Kühen. Im Gegenteil, er stellte eine Steigerung der Milchproduktion fest und keine nachteiligen Folgen für die Gesundheit der Tiere. Auch der Molkereikonzern Arla weist die Kritik am Zusatzstoff Bovaer, der von DSM entwickelt wurde, zurück, nachdem eine britische Umweltorganisation Ende letzten Jahres darauf aufmerksam gemacht hatte.
Die Debatte über die verpflichtende Kennzeichnung von Bovaer auf Milchverpackungen spiegelt eine breitere Diskussion in Dänemark wider, die Themen wie Transparenz, Verbraucherrechte und das Gleichgewicht zwischen Umweltinnovationen und Tierschutz umfasst. Mit zunehmendem Druck, die Umweltbelastung der Viehzucht zu verringern, werden derartige Diskussionen wahrscheinlich weiter anhalten.

