Die deutsche Schweineindustrie hat die Landes- und Regionalregierungen aufgefordert, die Kapazitäten in Schlachthöfen zu erhöhen, um die wachsenden Rückstände zu verringern.
Durch zuvor verhängte Beschränkungen aufgrund von Corona-Infektionen im Personal hatte sich bereits ein Rückstau von zehntausenden schlachtreifen Schweinen aufgebaut. Dieses Problem ist nach wie vor nicht gelöst. Da nun auch in Deutschland Afrikanische Schweinepest festgestellt wurde, darf Deutschland kein Fleisch mehr exportieren, was noch größere Rückstände in der Fleischindustrie zur Folge hat.
„Schweinehalter erleben derzeit eine absolute Notsituation, vor der wir seit Wochen und Monaten auf allen Ebenen mit Ministerien, Behörden und dergleichen gewarnt haben“, sagte Herr Staack von der deutschen Branchenorganisation ISN. „Diese Notsituation erfordert besondere Maßnahmen von allen Seiten. Es muss alles unternommen werden, um einen Zusammenbruch der Lieferkette zu verhindern.“
Die ISN erklärte, dass Ferkelerzeuger und Mastschweinehalter sich in einer „Notsituation“ befinden. Neben der „katastrophalen Preissituation“ (bei der die Preise von einem Tag auf den anderen von 1,47 € auf 1,27 € absackten, sich seitdem aber stabilisieren) kämpfen sie mit Rückständen bei der Verarbeitung der Tiere. Dadurch drohen deutschen Schweinezüchtern überfüllte Ställe.
„Die Tatsache, dass sich die Corona-Krise und das Exportverbot für afrikanische Schweinepest jetzt verbinden, macht die Lage für Ferkelerzeuger und Mastschweine dramatisch“, sagte Staack. „Die derzeit katastrophale Preislage ist fatal. Wenn außerdem die Produzenten von Ferkeln und Mastschweinen immer weniger in der Lage sind, ihre Tiere auf den Markt zu bringen, wird die aktuelle Situation zu einer greifbaren Notsituation.“ Diese „Stau“ auf dem Schlachtschweinemarkt habe einen Dominoeffekt auf den Absatz von Ferkeln, fügte er hinzu.
Wochenlang stagnierte die Schlachtung in Deutschland „bei rund 850.000 bis 870.000 Schweinen pro Woche, ein Defizit von etwa 50.000 pro Woche. „Es braucht viel mehr, um den Stau aufzulösen“, sagte Marktexperte Matthias Quaing. „Der Zug fährt und ist nicht mehr aufzuhalten. Ferkel werden weiter geboren und großgezogen“, sagte er, und erklärte, dass die Ferkel nicht untergebracht werden können, da die Gülleboxen bereits voll sind.
„Wir müssen den Stau auflösen. Dafür brauchen wir mehr Schlacht- und vor allem Zerlegekapazitäten – selbstverständlich unter Berücksichtigung der Corona-Vorsichtsmaßnahmen. Die Tatsache, dass die Schlachtbetriebe in Nordrhein-Westfalen nun von den Behörden erlaubt werden, am Wochenende zu schlachten, ist ein gutes und wichtiges Signal“, so die ISN.

