Der deutsche Landwirtschaftsminister Cem Özdemir will die sieben reichen westlichen Industrieländer (G7) einschalten, um den Export des ukrainischen Getreides aufrechtzuerhalten. Deutschland ist derzeit Vorsitzender der G7-Staaten.
Özdemir möchte den Zugang Ukraines zu den Weltmärkten während einer Landwirtschaftstagung, die später in diesem Monat stattfindet, weiter sichern. Russland hat mehrere ukrainische Häfen am Schwarzen Meer zerstört und die Schiffsrouten mit Seeminen blockiert.
Die Ukraine ist ein wichtiger Getreideexporteur und der Großteil seines Weizens wird üblicherweise auf dem Seeweg exportiert, etwa fünf Millionen Tonnen Getreide pro Monat. Die Ukraine versucht bereits, landwirtschaftliche Produkte per Schiff über Flüsse oder auf dem Landweg in die Nachbarländer Polen und Rumänien zu transportieren, um von dort aus über die Ostsee (Litauen) oder das Schwarze Meer (Constanța) das Land dennoch zu verlassen. Das gelingt jedoch nur in geringem Maße.
Alternative Transportwege müssen daher geöffnet werden, so der deutsche Minister. Der Transport per Bahn, zum Beispiel über Polen, könnte eine Lösung sein, ist aber problematisch aufgrund der unterschiedlichen Spurweiten beider Länder. Deshalb müssen alle Ladungen an der ukrainisch-polnischen Grenze umgeladen werden. Zudem herrscht ein großer Mangel an Containern.
Der Getreideexport ist eines der größten Probleme, mit denen das ukrainische Landwirtschaftsministerium derzeit konfrontiert ist, sagte Landwirtschaftsminister Mykola Solsky in einem kürzlichen Interview mit ukrainischen Medien. Landwirtschaftliche Rohstoffe per See aus dem Land zu bringen ist derzeit „im Grunde unmöglich“, sagte der Projektleiter einer deutsch-ukrainischen Landwirtschaftskommission in Kiew, die von den Ministerien beider Länder unterstützt wird.
Der EU-Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski erklärte in einem Gespräch mit Gazeta Polska, dass es zwar gelungen sei, die meisten Felder in weiten Teilen der Ukraine zu bestellen, jedoch unsicher sei, ob die Ernte eingebracht werden kann, geschweige denn exportiert.
Die ukrainischen Häfen am Schwarzen Meer müssen für den Getreideexport wieder geöffnet werden, da sonst eine weltweite Ernährungskrise droht. Direktor David Beasley des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen sagt, dass die Hälfte des Weizens, den das WFP benötigt, in der Ukraine festsitzt.
Nach Angaben des WFP-Direktors kann der Verlust der ukrainischen „Getreidescheune“ weltweit jahrelang spürbar sein. „Die Ukraine ist die Getreidescheune der Welt. Sie bauen genug Nahrung an, um 400 Millionen Menschen zu ernähren. Nun, das ist weg“, sagte Beasley diese Woche im CBS-Programm 60 Minutes.
Zudem haben russische Streitkräfte vergangene Woche in der östlichen ukrainischen Region Luhansk eine Getreide-Umschlaganlage bombardiert und zerstört. Die russische Luftwaffe griff einen Getreide-Silo nahe Rubizhne an. Satellitenbilder zeigen, dass schwere russische Bomben auf die Lagertürme und Gebäude der Golden AGRO LLC geworfen wurden.

