Zum ersten Mal seit dem Amtsantritt der Starmer-Regierung stimmen die Briten bei Kommunalwahlen ab. Labour gewann im vergangenen Jahr die landesweiten Wahlen und hofft diesmal, seine Position weiter zu stärken, unter anderem in wichtigen Städten wie Birmingham und Leeds. Gleichzeitig ist es ein erster Wahltest für den neuen Premierminister, seit seine Partei die Macht von den Konservativen übernahm.
Die Konservative Partei, die lange Zeit die politische Landschaft dominierte, geht mit einer neuen Vorsitzenden in diese Wahlen: Kemi Badenoch. Der ehemalige Premierminister Boris Johnson trat nach einer Reihe von Skandalen zurück, woraufhin seine Partei in eine Krise geriet. Badenoch versucht, die Wende zu schaffen, doch laut mehreren Kommentatoren steht die Partei schlecht da.
Die Kommunalwahlen bieten auch anderen Parteien die Möglichkeit, Boden zu gewinnen. Meinungsumfragen deuten auf eine wachsende Unzufriedenheit unter britischen Wählern hin. Viele Menschen seien laut diesen Umfragen enttäuscht von den traditionellen Parteien und könnten sich nun Alternativen zuwenden. Die Reform UK-Partei des ehemaligen Europaabgeordneten Nigel Farage wird als eine Partei genannt, die davon profitieren könnte.
Die reformierte Version der Anti-EU-Reform-UK versucht sich als rechte, anti-etablierte Partei zu profilieren. Laut britischen Medien kann diese Partei vor allem Stimmen ehemaliger konservativer Wähler gewinnen, die sich nicht mehr vertreten fühlen. Dieser Trend passt zu einem breiteren europäischen Muster, bei dem rechte und nationalistische Parteien an Einfluss gewinnen.
Auch die Grünen hoffen bei diesen Wahlen auf eine starke Beteiligung. In einigen Bezirken konkurrieren sie direkt mit Reform UK um die Proteststimmen unzufriedener Bürger. In Städten wie Bristol, Norwich und Brighton werden Erfolge erwartet. Laut The Guardian hoffen die Grünen, mit lokalen Themen wie Wohnungswesen und Klimapolitik Wähler zu gewinnen.
Die Wahlen gelten als ein Prüfstein für das britische Parteiensystem. Während lange Zeit ein Zwei-Parteien-System mit Labour und den Konservativen dominierte, gewinnen nun auch die Grünen, Reform UK und die LibDems an Terrain. Sky News und andere Medien sprechen von einer möglichen Verschiebung hin zu einem System mit fünf relevanten Parteien.
Neben den Gemeinderäten und Bürgermeistern wird auch über einen vorgezogenen Sitz im Unterhaus abgestimmt, im Wahlkreis Blackpool South. Insgesamt sind mehr als 2.600 Ratsmandate zu vergeben, verteilt auf 107 Gemeinderäte. Die Wahlen werden allgemein als wichtiger Test für alle Parteien in England auf dem Weg zu den nächsten nationalen Wahlen angesehen.

