Seit 2021 ist der Konsum deutlich zurückgegangen, nicht zuletzt, weil die Inflation die Lebensmittelpreise insgesamt steigen lässt. Bio-Produkte sind weiterhin teurer als konventionelle Produkte, mit einem Aufschlag von 15 bis 35 Prozent, berichtet Euractiv.
Auch der französische Einzelhandel spürt die Folgen des Rückgangs: Zwischen 2020 und 2023 sank der Verkauf von Bio-Produkten in Frankreich um 12 Prozent, so eine am 11. April veröffentlichte Untersuchung der Fondation Nature et Homme (FNH).
Während sich die spezialisierten Bio-Läden leicht erholt haben, schreibt die Stiftung die Stagnation vor allem den großen Einzelhandelsketten zu, die etwa die Hälfte des Bio-Umsatzes ausmachen. Gleichzeitig wenden sich immer mehr Landwirte vom ökologischen Landbau ab. Laut Agence Bio ist die Zahl der Umstellungen im Jahr 2022 um 42 Prozent gestiegen.
Eine Untersuchung unter den acht größten französischen Supermarktketten, die zusammen etwa 60 Prozent des Marktes kontrollieren, zeigt, dass das Angebot an Bio-Produkten zwischen 2022 und 2023 um 7 bis 25 Prozent zurückgegangen ist.
Der Rückgang im Bio-Sektor in Frankreich spiegelt sich auch im Landwirtschaftshaushalt wider. Kürzlich enthüllte Landwirtschaftsministerin Annie Genevard, dass bisher nur ein Bruchteil der für die Umstellung landwirtschaftlicher Flächen auf ökologischen Landbau reservierten 340 Millionen Euro genutzt wurde. Dies würde zu einem Überschuss von 257 Millionen Euro im Europäischen Landwirtschaftshaushalt für 2023–2024 führen.
Die Region Okzitanien, die wichtigste ökologische Landwirtschaftsregion Frankreichs, versucht, diese Entwicklung aufzuhalten. Der regionale Landwirtschaftsleiter Vincent Labarthe warnt jedoch vor einer möglichen Einstellung des Programms auf nationaler Ebene. Dort, wo die Finanzierung bereits ausgelaufen war, sei nach nur drei oder vier Jahren eine „erhebliche Zunahme der Umstellungen“ zu verzeichnen gewesen.
„Wir haben viel Geld in den ökologischen Landbau investiert, aber das reichte nicht aus, um eine krisenfeste Lieferkette aufzubauen“, sagt Labarthe. Er zeigte sich auch skeptisch gegenüber Genevards Ankündigung, die überschüssigen EU-Landwirtschaftsmittel künftig gezielt zur Stärkung des Bio-Sektors einzusetzen: „Das sagt sie, aber sie tut es nicht.“ Seiner Ansicht nach werde das Ministerium nur einen kleinen Teil der verfügbaren Mittel in den ökologischen Landbau umleiten.

