Irland befindet sich in der Agrarsektor weiterhin in großer Unsicherheit über die nahe Zukunft. Es sieht so aus, als ob das Land bald endlich eine neue Koalitionsregierung erhalten wird, damit Corona-Subventionen ausgezahlt werden können.
Bisher erfolgen diese Auszahlungen nur schleppend, da für neue temporäre Notgesetze eine Regierung notwendig ist. Die drei irischen Parteien Fianna Fáil, Fine Gael und die Grünen haben am Montag nach vier Monaten Verhandlungen eine Einigung erzielt. Diese Einigung muss in den kommenden zehn Tagen noch von Mitgliedern aller drei Parteien genehmigt werden.
Mit dem Koalitionsvertrag wird zumindest festgefahrene politische Blockade durchbrochen. Die linken Nationalisten von Sinn Féin, die jahrelang an der Macht waren, hatten im Februar überraschend große Wahlerfolge erzielt. Sinn Féin wird nun jedoch außen vor gelassen, da die Mitte-rechts-Partei Fianna Fáil nicht erneut mit ihnen regieren wollte. Daraufhin arbeiteten FF gemeinsam mit der kleineren Mitte-rechts-Partei Fine Gael und den Grünen an einer Dreierkoalition.
Die Mitgliederbefragungen in der kommenden Woche sind besonders spannend wegen der Beteiligung der Grünen. Nach den Regeln dieser Partei müssen zwei Drittel der Mitglieder zustimmen, eine höhere Hürde als bei den anderen beiden Parteien. Dies könnte bei den Grünen schwierig werden, da die Parteiführung laut einigen Kritikern 'viel zu wenig grün' mit eingebracht hat. Dafür erzielten sie jedoch Erfolge bei vielen anderen ihrer Schwerpunkt-Themen.
Der aktuelle irische Landwirtschaftsminister Michael Creed (Fianna Fáil) meint, dass die beiden Mitteparteien viele Zugeständnisse an die Grünen gemacht haben, verteidigte jedoch den neuen Kurs zur Nachhaltigkeit im Agrarsektor, zur Verringerung von Luft- und Bodenverschmutzung sowie zur Verbesserung der Biodiversität. Creed stellte seiner agrarischen Basis klar, dass der europäische Green Deal die Zukunft sei.
Es ist nicht nur für den Agrarsektor in Irland weiterhin ungewiss, wann und wie der EU-Green Deal umgesetzt wird und ob daraus Einsparungen beim (aktuellen) Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) resultieren. Wahrscheinlich wird darüber nicht nur in Irland, sondern auch im Rest der EU noch jahrelang gestritten werden.
Minister Creed sagte, dass Vorschläge zu weniger Pestiziden und Kunstdünger sowie mehr biologischer Produktion, wie im Green Deal vorgesehen, bei großen Teilen der Bevölkerung Anklang finden. ‚Und wenn wir denken, dass wir die Stimmung der Verbraucher drehen können und unser Produkt dennoch in einem Premium-Markt verkaufen können, betrügen wir uns selbst‘, sagt er. Bauern, die wie ihre Väter wirtschaften wollen, seien zum Scheitern verurteilt, da der Sektor auf das Verbrauchervertrauen reagieren müsse, so Creed in einem Interview mit dem Irish Examiner.
Die irische Landwirtschaft sieht auch weiterhin besorgt auf die derzeit stockenden britisch-europäischen Verhandlungen über ein Handelsabkommen, während die Briten darauf bestehen, Ende dieses Jahres mit ihrem Brexit aus der EU auszutreten. So muss noch eine Lösung für die „Nicht-Grenze“ zwischen der Republik Irland und dem britischen Nordirland gefunden werden. Irland muss künftig strenge EU-Regeln bezüglich Lebensmittelqualität (Fleisch, Fisch, Milchprodukte usw.) einhalten, während die Briten nahezu unbehelligt ihre ‚minderwertigen‘ Produkte frei nach Irland ‚schmuggeln‘ können.
Der Beitritt zur Europäischen Union und zur EU-Agrarpolitik im Jahr 1973 führte vor allem im fruchtbaren Osten und Süden Irlands zu Spezialisierung und Intensivierung. Landwirtschaft, Milch- und Viehwirtschaft sind dadurch wichtige Exportprodukte für die irische Wirtschaft geworden.
Der Export von Fleisch und die Produktion von Milch sind eine wichtige Einkommensquelle. Im Land werden außerdem viel Gerste, Weizen, Kartoffeln und Zuckerrüben angebaut. Die meisten Landwirtschaftsbetriebe sind klein, die größeren Betriebe konzentrieren sich vor allem auf die Produktion von Schlachtvieh. Der Sektor trägt mit 1,2 % zum Bruttoinlandsprodukt der irischen Wirtschaft bei. Fünf Prozent der Bevölkerung arbeiten in diesem Bereich.

