Russland möchte eine permanente Schienenverbindung mit China einrichten, um Lebensmittel exportieren zu können. In den vergangenen Wochen führten die Russen einen Test mit einem ersten gekühlten Bahntransport von Geflügelfleisch durch, von einem Rangierbahnhof bei Moskau nach China.
Die ersten Sendungen bestanden vor allem aus Milchpulver und Lachs. Neue Lieferungen sind im Gange, mit Fleischprodukten und erneut Milchpulver. All diese Produkte sind in China sehr gefragt, berichtet das internationale Fachmagazin Railfreight.com. Am 8. Mai verließ eine Testsendung von 24 Tonnen gefrorenem Geflügelfleisch mit dem Zug Selyatino (bei Moskau) in Richtung Chongqing (Zentralchina). Eine weitere chinesische Millionenstadt, Chengdu, ist das nächste Ziel. Die Transportzeit wurde auf 15-16 Tage geschätzt.
Das Ziel des gemeinsamen russisch-chinesischen Projekts ist es, eine permanente Verbindung für den Export russischer Lebensmittel zur chinesischen Milliardengesellschaft zu etablieren. China ist in der Lebensmittelversorgung teilweise auf den Import von Fleisch und Getreide angewiesen, sowohl aus Westeuropa als auch aus Nord- und Südamerika.
Deshalb arbeitet China seit einigen Jahren aktiv am Ausbau neuer Schienenverbindungen mit, wobei sogar der Hafen von Rotterdam und der Rangierbahnhof bei Lage Zwaluwe über Duisburg an eine Zug-Transportroute nach China angeschlossen sind.
Im Juni 2019 kündigte die russische Regierung an, das Verbot für den Landtransport von (europäischen) „sanktionierten Waren“ wie frischen Lebensmitteln und Agrarprodukten aufzuheben. Die Beendigung dieser zum Teil gescheiterten russischen Anti-EU-Sanktionen wird als Chance für europäische Verlader und Transportunternehmen gesehen.
Bisher waren sie auf Luft- oder Seefracht angewiesen oder mussten einen großen Umweg machen, wenn sie sich dennoch für Bahntransport entschieden, so die chinesische Nachrichtenagentur ECNS. Nach der Ankündigung folgte eine lange Vorbereitungszeit, und im März wurde der erste Zug mit „sanktionierten Waren“ auf der kürzesten Strecke über Kasachstan durchgelassen.
Die Bereitstellung der Kühlcontainer für den China-Transport wurde von der Resource Group organisiert, einem der größten Hersteller in Russland, in Zusammenarbeit mit RZD Logistics, einer Tochtergesellschaft von Russian Railways. Russische Geflügelproduzenten haben bereits erklärt, dass sie die neuen Anschlussmöglichkeiten für den Export von Geflügel in den chinesischen Markt nutzen wollen.
RZD Logistics entwickelt seit Ende letzten Jahres den Agroexpress. Dabei handelt es sich um eine Reihe von Containerzügen, die für Agrarprodukte bestimmt sind. Der Handel mit Agrarprodukten wird von den Russen als Zukunft des Außenhandels mit China angesehen.

