Die Niederlande gelten seit Jahren als einer der größten Exportländer für landwirtschaftliche Produkte weltweit. Dieses Bild wird regelmäßig in gesellschaftlichen und politischen Debatten über die Zukunft der Landwirtschaft verwendet. Die Forscher wollten deshalb untersuchen, welchen tatsächlichen Beitrag die Niederlande zur weltweiten Lebensmittelversorgung leisten, wenn alle Lebensmittelströme einbezogen werden.
Landnutzung
Daraus ergibt sich, dass die Niederlande für ihre Landwirtschaft deutlich abhängiger vom Ausland sind, als häufig angenommen wird. Neben den 1,6 Millionen Hektar Acker- und Agrarland im eigenen Land werden weitere etwa 4,7 Millionen Hektar Land außerhalb der Niederlande benötigt. Dieses wird vor allem für den Anbau von Futtermitteln verwendet (brasilianischer Mais als Futter für die Rinder der Fleischindustrie).
Hauptsitze
Auch der Umfang des niederländischen Agrar-Exports verlangt laut den Forschern eine Nuancierung. In Dollar oder Euro ausgedrückt gehören die Niederlande zu den größten Exporteuren, was jedoch hauptsächlich daran liegt, dass einige große multinationale Lebensmittelkonzerne ihre Hauptsitze – aus steuerlichen Gründen – bei niederländischen Anwaltskanzleien angesiedelt haben.
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Weltmarktführer
Zudem haben einige große ursprünglich niederländische Lebensmittelkonzerne (Nestlé, Campina, Unilever, Heineken, DSM, Mars etc.) in den letzten Jahren weltweit in ihren Marktsegmenten zahlreiche ausländische (sprich: afrikanische, asiatische) Unternehmen übernommen. Dabei handelt es sich um zusätzliche Märkte und Umsätze, die keinerlei Bezug zu den Niederlanden haben, außer dass deren Gewinne auf den Konten niederländischer Anteilseigner eingehen. Diese Flüsse werden dann in der niederländischen Exportstatistik in Geldwerten erfasst.
Rotterdam
Außerdem weisen die Forscher auf die Wirkung des Hafens von Rotterdam hin, wo alle eingehenden Kilogramm als Import gezählt werden, selbst wenn sie direkt weiter in andere Länder transportiert werden (also Export). Etwa ein Drittel der ausgeführten Agrarprodukte besteht aus Waren, die zuvor aus anderen Ländern importiert, in den Niederlanden verpackt oder verarbeitet und anschließend exportiert wurden. Dadurch spiegelt der Exportwert nicht vollständig den niederländischen Beitrag zur Lebensmittelversorgung wider.
Selbstversorgung
Die Forscher berechneten auch, was passieren würde, wenn die Niederlande vollständig auf die eigene Lebensmittelproduktion angewiesen wären. Ihren Berechnungen zufolge könnte die Bevölkerung in diesem Fall grundsätzlich ernährt werden, allerdings nur, wenn alle verfügbaren landwirtschaftlichen Flächen dafür genutzt würden. Für den Export von Lebensmitteln bliebe dann kein Raum mehr.
Gesünder
Das Bild ändert sich, wenn die Niederländer sich gesünder nach der „Schijf van Vijf“ ernähren würden. Dieses Ernährungsmodell (mehr Naturkost, weniger Fleisch) benötigt laut Berechnungen deutlich weniger landwirtschaftliche Fläche. Darüber hinaus würde die Ammoniak-Emission stark sinken. Wenn alle freigewordenen Flächen für die Lebensmittelproduktion genutzt werden, könnten die Niederlande neben ihrer eigenen Bevölkerung auch Millionen Menschen außerhalb der Landesgrenzen versorgen.
Realistischer
Die Forscher hoffen, dass ihre Berechnungen zu einer breiteren Diskussion über die Zukunft der niederländischen Landwirtschaft beitragen. Ihrer Meinung nach liefert eine Bewertung allein anhand der Exportzahlen ein unvollständiges Bild. Erst wenn auch die Abhängigkeit von importiertem Futter, Lebensmitteln und ausländischem Agrarland berücksichtigt wird, entsteht ein realistischeres Bild der Rolle, die die Niederlande in der globalen Lebensmittelversorgung spielen.

