Russland hat die Niederlande im vergangenen Jahr gebeten, die Strafverfolgung der drei russischen Verdächtigen des Abschusses des malaysischen Passagierflugzeugs MH17 an russische Richter zu übergeben. Die Niederlande haben Moskau geantwortet, dass dies nicht in Frage komme.
Die Niederlande und Australien haben Russland zuvor bereits mitverantwortlich für den Raketenangriff über einem Rebellengebiet im Osten der Ukraine gemacht. Nach Angaben des niederländischen Justizministers Fred Grapperhaus ging die russische Anfrage am 17. Oktober 2019 beim Ministerium in Den Haag ein. In seiner Antwort an die russischen Behörden bat Grapperhaus darum, ob die Russen bereit seien, ein in den Niederlanden ausgesprochene Urteil zu übernehmen und mögliche Strafen in Russland durchzusetzen. Es ist unklar, wie Moskau darauf reagierte.
Der Flug MH17, der von Schiphol nach Kuala Lumpur unterwegs war, wurde am 17. Juli 2014 abgeschossen. Dies geschah über dem Osten der Ukraine, wo pro-russische Separatisten gegen das ukrainische Regierungsmilitär kämpften. Die Boeing 777 wurde durch eine Buk-Rakete des russischen Militärs getroffen. Alle 298 Menschen an Bord kamen ums Leben, darunter fast zweihundert Niederländer.
Von den vier Männern, die wegen Beteiligung an dem Abschuss des Flugzeugs vor fast sechs Jahren verdächtigt werden, haben drei die russische Staatsangehörigkeit. Der vierte Verdächtige ist Ukrainer. Wenn der Prozess gegen sie am 9. März beginnt, werden sie höchstwahrscheinlich nicht persönlich anwesend sein. Vermutlich befinden sie sich in Russland, das eine Auslieferung verweigert. Russland liefert seine Staatsbürger nicht aus. Ein russischer Verdächtiger hat einen niederländischen Anwalt, ein weiterer russischer Verdächtiger verfügt über zwei niederländische Anwälte.
Einer dieser Anwälte zufolge umfasst die Akte des Falls bereits rund 30.000 Seiten. Diese haben sie jedoch noch nicht erhalten, so ihre Angaben. Ihre Beteiligung kam durch die russische Anwältin Elena Kutina zustande. Sie darf hier nicht als Vertretung der Verdächtigen auftreten, liefert jedoch relevante Informationen für deren Verteidigung.
Der 9. März ist der erste Verhandlungstag im Prozess gegen die vier Verdächtigen. Das Verfahren findet in einem besonders gesicherten Gerichtssaal in einem großen abgeschlossenen Komplex auf dem Gelände des internationalen Flughafens Schiphol statt. Für den Prozess sind im kommenden Jahr bereits dutzende Verhandlungstage eingeplant. In diesem streng bewachten Gericht werden derzeit auch mehrere Verfahren gegen ranghohe Mitglieder der niederländischen Drogenmafia geführt.
Der niederländische König Willem-Alexander besuchte am Mittwochnachmittag in Rotterdam Beamte, die an der Untersuchung und dem Gerichtsverfahren zum Absturz des Fluges MH17 beteiligt sind. Der König sprach mit Mitarbeitern der Staatsanwaltschaft, des Justiz- und Sicherheitsministeriums sowie der Polizei über unter anderem ihre persönlichen Erfahrungen und die Komplexität der Ermittlungen.
Polizei und Justizbehörden der betroffenen Länder Niederlande, Australien, Belgien, Malaysia und Ukraine haben in den vergangenen Jahren bei den Ermittlungen zum Absturz eng in einem Gemeinsamen Ermittlungsteam (JIT) zusammengearbeitet. Russland hat von Anfang an die Mitwirkung an den Untersuchungen verweigert, unter anderem, weil es nicht in das JIT-Team aufgenommen wurde. Die Angelegenheit sorgt seit Jahren für Spannungen zwischen den Niederlanden und Russland. Erst vor Kurzem kam es erstmals zu minimalem diplomatischem Kontakt.

