Der Bundesrat hat angekündigt, dass die Schweiz die Kriterien für Pestizidrückstände in Lebensmitteln und der Umwelt anpassen will. Die Regierung ist der Ansicht, dass die derzeitigen Normen, die strenger als in der Europäischen Union sind, zu häufig Verbote zur Folge haben, ohne dass ein konkretes Gesundheitsrisiko besteht. Besonders bei Importprodukten bedeute eine Überschreitung der Norm nicht automatisch, dass die Lebensmittel schädlich sind.
Nach Ansicht der Schweizer Regierung ist die Anpassung notwendig, um die Lebensmittelgesetzgebung realistischer zu gestalten. Der Bundesrat betont, dass es bei der Lockerung nicht darum gehe, schädliche Stoffe zuzulassen, sondern die Normen entsprechend dem aktuellsten Stand der Wissenschaft anzupassen.
Die Schweiz ist kein Mitglied der Europäischen Union, übernimmt jedoch viele EU-Regeln freiwillig. Dies geschieht auf Basis bilateraler Abkommen und Schweizer Gesetzgebung, jedoch nicht eins zu eins. Im Bereich der Pestizide ist die Schweiz bislang oft strenger als die EU. Die vorgeschlagene Lockerung bedeutet, dass das Land sich in diesem Punkt näher an die EU-Normen heranbewegen will.
Die Schweizer Bauernlobby fordert schon länger eine Lockerung der Regeln. Landwirtschaftsorganisationen erklären, die aktuellen Normen erschwerten nicht nur die Lebensmittelproduktion, sondern führten auch zu Unsicherheiten bei den Landwirten. Zudem beklagt die Branche die Kosten für zusätzliche Kontrollen sowie das Risiko, dass Produkte aus dem Ausland mit weniger strengen Normen den Schweizer Markt dominieren könnten.
Gegner warnen, dass die Lockerung der Regeln ein falsches Signal sende. Umweltorganisationen und Verbraucherverbände befürchten eine Zunahme schädlicher Stoffe in Lebensmitteln und Wasser. Sie verweisen auf aktuelle Studien, die zeigen, dass in Schweizer Produkten immer häufiger Pestizidrückstände gefunden werden, auch von Stoffen, die eigentlich verboten sind.
In einem jüngsten Bericht der Schweizer Kontrollbehörden wurde festgestellt, dass bei Kontrollen auf landwirtschaftlichen Betrieben verbotene Pestizide entdeckt wurden. Inspektoren stellten fest, dass einige Landwirte trotz Verbotsregelungen Mittel einsetzen, die Risiken für Mensch und Umwelt darstellen. Diese Erkenntnisse sorgen für Bedenken bezüglich der Wirksamkeit des aktuellen Kontrollsystems.
Auch in Nachbarländern wie Frankreich gibt es Besorgnis. In der Region um Nantes wurde ein Schweizer Pflanzenschutzmittel im Trinkwasser gefunden. Obwohl der Stoff in Frankreich nicht zugelassen ist, wurde er offenbar über Luft oder Grundwasser verbreitet. Der Vorfall hat zu Spannungen zwischen Schweizer und französischen Behörden wegen grenzüberschreitender Umweltauswirkungen geführt.

