Russland hat am Samstag den Hafen von Odessa mit Kreuzraketen beschossen. Der Angriff erfolgte kaum einen Tag nach der Vereinbarung, die beide Länder mit den Vereinten Nationen über die Wiederaufnahme des Getreideexports über Häfen am Schwarzen Meer getroffen hatten.
Nach Angaben der Ukrainer wurden zwei Kreuzraketen von ihrer Luftabwehr abgeschossen, doch die anderen beiden sollen "Hafeninfrastruktur" getroffen haben. Dabei wurde ein Umspannwerk beschädigt.
In einem Video auf Twitter ist zu sehen, wie eine der Raketen nur wenige hundert Meter von den großen Getreidesilos entfernt einschlägt. Die Hafenstadt Odessa ist vor allem für den Getreideexport einer der wichtigsten Exporthäfen Ukraines am Schwarzen Meer.
Durch den russischen Krieg gegen die Ukraine ist der Export aus allen ukrainischen Hafenstädten blockiert. Bis zu 25 Millionen Tonnen Getreide lagern in Lagern in der Ukraine und warten darauf, auf den Weltmarkt verschifft zu werden. Außerdem treffen die westlichen Sanktionen gegen Russland den Handel mit russischen Produkten, obwohl diese westlichen Sanktionen nicht gegen Lebensmittel gerichtet sind.
Die ukrainische Regierung sagt, dass Präsident Wladimir Putin mit dem Raketenangriff auf den Hafen von Odessa der Vereinten Nationen und Türkei "ins Gesicht spuckt", mit denen die Ukraine und Russland am vergangenen Freitag ihre Getreideexport-Vereinbarung getroffen hatten. UN-Chef Antonio Guterres und Außenminister Josep Borrell von der Europäischen Union haben den Angriff bereits am Samstag scharf verurteilt.
Die Ukraine ruft die Vereinten Nationen und die Türkei dazu auf, sicherzustellen, dass sich Russland an die Vereinbarungen hält. Im Abkommen von Istanbul wurde festgelegt, dass Russland und die Ukraine den Export von Getreide durchlassen. Die beiden Länder sind zusammen für etwa 30 Prozent des weltweiten Weizenexports verantwortlich.
Der ukrainische Infrastrukturminister ließ wissen, dass der verursachte Schaden keine Auswirkungen auf die Wiederaufnahme des Exports von Agrarprodukten hat.
Ein ukrainischer Beamter wies am vergangenen Wochenende darauf hin, dass viele Menschen fälschlicherweise glauben, dass der Getreideexport nach der Entblockierung der Häfen bald wieder aufgenommen werden kann. Das werde mit Sicherheit nicht passieren, warnte Alex Lissitsa, CEO des IMC-Unternehmens, in einem Interview mit AgroPortal.ua.
Er weist darauf hin, dass das Seegebiet von Minen geräumt und beschädigte Infrastruktur repariert werden muss. Das gilt nicht nur für Lager und Häfen, sondern auch für die Zufahrtswege. Das dauere mindestens einige Wochen bis mehrere Monate.

