Der höchste Vertreter der Vereinten Nationen hat dazu aufgerufen, den „Krieg gegen die Natur“ zu beenden. Die Menschheit führt seit Jahrzehnten Krieg gegen den Planeten, und dieser wehrt sich nun, sagte Generalsekretär António Guterres in Madrid. Guterres kritisierte die bisher „völlig unzureichenden“ Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels. Es mangele seiner Ansicht nach an politischem Willen, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.
Der Kampf gegen den Klimawandel steht erstmals ganz oben auf der Prioritätenliste der europäischen Bürger. Das geht aus den Ergebnissen einer Meinungsumfrage hervor, die das Europäische Parlament am Freitag anlässlich des in den nächsten zwei Wochen in Madrid stattfindenden Klimagipfels veröffentlicht hat.
Auf dieser Konferenz werden die letzten Entscheidungen getroffen und Details des Pariser Klimaabkommens von vor fünf Jahren festgelegt. Dieses Abkommen tritt Ende dieses Jahres offiziell in Kraft. Zahlreiche Regierungschefs werden in den kommenden Tagen in Madrid erwartet. Im Vorfeld rief das Europäische Parlament diese Woche mit einer Mehrheit von 429 zu 225 Stimmen symbolisch den Notstand in den Bereichen Klima und Umwelt aus.
Das Europäische Parlament lässt seit Jahren regelmäßig Umfragen zu den Meinungen und Erwartungen der europäischen Bürger bezüglich der Politik durchführen. Für diese Ausgabe wurden im Oktober mehr als 27.600 Menschen aus den 28 Mitgliedstaaten persönlich befragt. Als sie gebeten wurden, bis zu drei Prioritäten für die Europaabgeordneten zu nennen, nannten 32 Prozent den Kampf gegen den Klimawandel und den Erhalt von Umwelt, Ozeanen und Biodiversität.
Klimawandel war die meistgenannte Priorität in elf Mitgliedstaaten. Schweden führt die Liste mit 62 % an, gefolgt von Dänemark (50 %) und Niederlande (46 %). Belgien liegt mit 38 Prozent auf dem neunten Platz. Das Thema ist in den Mitgliedstaaten Mittel- und Osteuropas deutlich weniger präsent, wo weniger als 30 Prozent das Thema auf ihrer Prioritätenliste vermerkten. Bulgarien bildet mit 14 Prozent das Schlusslicht.
Viele Menschen sind auch der Meinung, dass die weltweiten Protestaktionen der Klimajugend tatsächlich etwas bewirken. Fast sechs von zehn Befragten glauben, dass die Demonstrationen zu mehr politischen Maßnahmen auf europäischer (59 %) und nationaler Ebene (58 %) beitragen. In Belgien sind es jeweils 57 bzw. 55 Prozent.
Die frisch ernannte Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen war ebenfalls bei der Eröffnungssitzung der Klimakonferenz in Madrid anwesend. Damit wollte sie unterstreichen, dass der Kampf gegen den Klimawandel und der Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft eines der Schwerpunkte ihrer Politik werden soll. Obwohl Polen, Ungarn, Tschechien und Estland dieses Ziel noch nicht unterstützen wollten, hofft von der Leyen dennoch, dass diese Mitgliedstaaten an Bord kommen werden. Die Kommissionspräsidentin sieht auch wirtschaftliche Vorteile. Sie will aus dem Green Deal die neue Wachstumsstrategie der EU machen.
Es bleibt eine Tatsache, dass sich die Vereinigten Staaten vom Pariser Klimaabkommen zurückgezogen haben, doch von der Leyen, die bei ihrem Amtsantritt sofort telefonisch Kontakt zu den Führungspersönlichkeiten der G7 und G20 aufgenommen hat, sieht auch positive Entwicklungen auf internationaler Ebene. „Es ist eine gute Nachricht, dass China selbst sagt, sich des Klimawandels bewusst zu sein. Dass das Land einen Handel mit Emissionsrechten einführt, zeigt, dass das Thema auch in China ganz oben auf der Agenda steht.“

